LAUFSPORT:

Ohne Druck läuft es sich leichter

Annalena (von links), Katrin und Ralf Maisch setzten beim Saueichelauf des TSV Unterelsbach auch ein Zeichen gegen Rechts. Foto: Annalena Maisch

„Das ist der Hammer. Nie im Leben hätte ich eine solche Resonanz erwartet“, sagt Ralf Maisch vom TSV Unterelsbach nach seinem „etwas anderen Lauf zur Saueiche“ am Wochenende. Er freute sich über 276 Aktive innerhalb von drei Tagen, die die Hobby- oder Hauptlaufstrecke in seinem Heimatort absolvierten.

Im Normalfall – also vor der Coronapandemie – ist diese Veranstaltung seit 25 Jahren fest im Kalender der Rhön-Grabfeld-Cup-Serie (RGC) integriert. Bislang konnte in dieser Saison noch kein Laufwettbewerb der Serie unter den gewohnten Bedingungen stattfinden, doch die große Lauffamilie der Region meldet an den jeweiligen Terminen ihre absolvierten Teilnahmen und Kilometer unter dem Hashtag #RGCfamilie an das Organisationsteam.

Dieses Mal können auch die Helfer mitlaufen

Ralf Maisch lud aber alle Sportler direkt nach Unterelsbach ein. Seinem Aufruf folgten nicht nur die eifrigen RGC-Läufer, sondern zu seiner großen Freude 101 Unterelsbacher aller Altersklassen. „Viele möchten einfach keinen Wettkampfdruck, laufen lieber ohne Zeitmessung und nicht im Pulk“, sagt Maisch. „Außerdem konnten die sonst benötigten zahlreichen Helfer diesmal aktiv teilnehmen. Sie haben die Gelegenheit an diesem Wochenende ausgiebig und mehrfach genutzt“, sagt er lachend. Bis Freitagabend hatten schon zahlreiche Läufer der RGC-Serie den Weg ins Elstal gefunden. Was aber nicht an dem in der Ausschreibung versprochenen Geschenk lag: Für die ersten 200 Läufer gab es eine limitierte Corona-Auflage eines Multifunktionstuchs.

Die Gedanken der Läufer sind bei Emil Quaißer

Klaus Greier vom TSV Hollstadt war bereits gegen 12 Uhr an der Startlinie und plante scherzend „den Gesamtsieg in diesem Jahr. Aufgrund meines schlechten Zeitmanagements am Vormittag musste ich meinem Lauffreund Mike Hasenpusch aus Brendlorenzen den inoffiziellen Sieg überlassen, denn er war noch früher da.“ Wehmut schwang allerdings auch bei ihm mit, da er unweigerlich an den vergangenen Sommer gestorbenen Emil Quaißer gedacht habe, der 25 Jahre lang den Lauf organisiert und geprägt habe. „Er würde sich sicherlich darüber freuen zu sehen, dass sein Lauf weiterhin in guten Händen ist.“

Der Großteil der Sportler war bestens auf die heißen Temperaturen eingestellt und hatte ausreichend Wasser im Gepäck. Dies konnte der Veranstalter aus hygienischen Gründen nicht zur Verfügung stellen. Aber alle fanden prima markierte Strecken vor. „Bei diesem herrlichen Sommerwetter haben wir die Runde mit toller Aussicht einfach nur genossen“, befanden Läuferinnen aus Wollbach übereinstimmend. „Im Wettkampf nimmt man das leider oft nicht wahr, ist einfach zu sehr auf die Zeit fokussiert.“ Viele Teilnehmer machten einen kurzen Abstecher zur Saueiche, die nur wenige Schritte von der Laufstrecke entfernt liegt.

Sogar aus Hammelburg oder Poppenhausen war Sportler da

Neben Sportlern aller RGC-Vereine konnte Hauptorganisator Ralf Maisch, der von Freitagmittag bis Sonntagabend fast durchgehend auf seinem Zählposten zu finden war, zahlreiche unbekannte Gesichter begrüßen. „Eine Fußballertruppe aus Hohenroth übte ihre Lauftrainingseinheit bei uns aus. Sogar Freizeitsportler aus Hammelburg und Poppenhausen fühlten sich über die sozialen Medien angelockt.“ Daher plane man im nächsten Jahr neben dem Wettkampftag noch einen zusätzlichen Lauftag ohne Zeitmessung.

Für den passionierten Fußballfan des FC St. Pauli hatte das Laufwochenende in Unterelsbach noch einen zusätzlichen Hintergrund. „Die Verantwortlichen des Hamburger Vereins richten jedes Jahr einen ,Lauf gegen Rechts' aus. An ihm habe ich mit meiner Familie schon öfter teilgenommen.“ Da auch diese Veranstaltung in diesem Jahr nicht wie gewohnt durchgeführt werden konnte, konnten alle, die die Initiative unterstützen, im ganzen Monat Juni ihre Kilometer absolvieren und Geld spenden.

Bereit zum Start: die Lauffreunde Saal. Foto: Michaela Greier