Tischtennis: TTBL

Salifou: „Ich habe zwei ganz verschiedene Personen in mir“

Der Mann, den der Tischtennis-Bundesligist TSV Bad Königshofen als Nachfolger von Mizuki Oikawa verpflichtet hat, gilt als Doppel-Spezialist. Geboren wurde Abdel-Kader Salifou (30) in Reims. In Frankreich spielte er bei Olympique Rémois tennis de table, bei SPO Rouen und Stella Sport La Romagne. Von weniger Erfolg gekrönt war sein einjähriges Gastspiel bei Energa KTS Torun in der polnischen Superliga, von wo ihn der Liga-Neuling TTC Neu-Ulm holte. Dort hatte der Franzose vereinsintern als einer von acht Spielern hart um Einsätze zu kämpfen, kam aber auf die meisten von allen. Seine größten Erfolge erzielte er 2013 mit Gold bei den Croatian Open, den Egypt Open und den Morocco Open. 2011 holte er Mannschafts-EM-Bronze für Frankreich. Er spricht im Interview darüber, warum er in der vergangenen Saison in der Bundesliga Anlaufschwierigkeiten hatte, warum er ständig an seiner Rückhand arbeitet und was ihm Darko Jorgic über Bad Königshofen verraten hat.

Frage: Ihre persönliche Einzel-Bilanz der vergangenen Saison in der Tischtennis-Bundesliga lautet 6:11. Sie haben hervorragende Gegner wie den Vize-Weltmeister Falck, den Weltranglisten-Sechsten Calderano, Habesohn und Steger geschlagen, aber gegen weniger renommierte verloren. Wie können Sie das erklären?

Abdel-Kader Salifou: Zum einen war die letzte Saison meine erste in der Bundesliga und ich muss sagen, sie ist so hochklassig besetzt, dass nahezu jeder jeden schlagen kann. Zum anderen habe ich deshalb einige Dinge in meinem Spielsystem umgestellt. Das hat dann einige Zeit gedauert, bis ich damit zurecht kam, fast die ganze Vorrunde. Dann hatte ich es stabilisiert und es wurde immer besser.

Sie spielen eine herausragende Vorhand. Wie steht es mit der Rückhand?

Salifou: Es ist mir klar, dass das alle meine Gegner auch wissen, dass meine Vorhand meine beste Waffe ist. Ich versuche natürlich laufend meine Rückhand zu verbessern und habe auch schon Spiele speziell über die Rückhand gewonnen.

Es wird erzählt, Sie seien ein lustiger Bursche mit viel Witz und Humor. Stimmt das und ist das Ihr Lebensstil? Sie seien aber auch im Spiel hoch konzentriert. Welches Geheimnis steckt dahinter?

Salifou: Das stimmt. Ich habe zwei ganz verschiedene Personen in mir: Den Abdel im täglichen Leben und Abdel, den Sportler. Im normalen Leben finde ich, ist das Leben ganz einfach schön und cool. Es ist schön in der Familie und ich genieße es, wenn ich mit Freunden zusammen bin und lustig sein kann. Am Tischtennistisch ist das Leben etwas weniger lustig. Da versuche ich immer alles zu geben, mein Bestes aus mir herauszuholen.

Das Bad Königshöfer Publikum hat Sie gegen Mizuki Oikawa spielen sehen. Das war Weltklasse-Tischtennis. Es fiel auf, dass Sie vor jedem eigenen Aufschlag versucht haben, Blickkontakt mit Ihrem Gegner aufzunehmen. Das sah dann immer sehr unheimlich aus, wirkte nahezu böse. Was denken Sie in solchen Momenten und was beabsichtigen Sie damit?

Salifou: Wie schon gesagt, das liegt an meiner Art der totalen Konzentration auf das Spiel und Fokussierung auf den nächsten Ballwechsel. Es wurde mir von Leuten schon öfter berichtet, dass ich in solchen Momenten so aggressiv aussehe. Das ist mir ja selber nicht recht. Wenn ich mich auf Videos, speziell in Nahaufnahmen sehe, erschrecke ich selber darüber. Aber glauben Sie mir, das ist nicht der normale Abdel. Ehrlich, ich mache das nicht absichtlich, dass ich den Blickkontakt zum Gegner suche. Ich gebe zu, dass ich ungern verliere. Aber ich habe zu viel Respekt vor meinem Gegner, als dass ich es mit solchen Mitteln versuchen würde. Ich benötige und benutze keine unlauteren Mittel, um ein Spiel zu gewinnen. Sehen Sie doch Timo Boll an: Ein ganz lieber und netter Kerl den ganzen Tag, und im Match zeigt er auch ein ganz anderes Gesicht. Ich werde, sobald es möglich ist, kommen, dann können sich die Leute davon überzeugen.

Sie kennen Darko Jorgic aus Ihrer Trainingsgruppe, der eine Saison beim TSV spielte. Was hat er Ihnen über Bad Königshofen berichtet?

Salifou: Ja, wir haben schon oft darüber geredet. Er sagt, es sei ein perfekter Klub mit einer großen sportlichen Historie und ich könne froh darüber sein, bei ihm und vor so einem Publikum spielen zu dürfen. Er sagte, die Leute sind so nett und hilfsbereit und würden mich bestimmt so annehmen und unterstützen wie ihn, als er dort war. Ich könne mich jetzt schon darauf freuen.

Sie freuen sich also auf Bad Königshofen? Was haben Sie sich vorgenommen?

Salifou: Ich habe mir sehr viel vorgenommen und will mein Spiel immer mehr verbessern. Ich möchte erfolgreich spielen und meiner Mannschaft dabei helfen, gute Resultate zu erzielen. Ich möchte, dass die Zuschauer stolz auf unser Team sind, dass wir ihnen Siege schenken können, dass sie froh und zufrieden nach Hause gehen und wieder kommen. Wenn das gelingt, wird es eine gute Saison.