Skisport: Bayerischer Schülercup

Die jungen Adler heben wieder ab

Sie fliegen wieder: Hoch hinaus und weit nach unten hieß es für den Skispringer-Nachwuchs beim bayerischen Schülercup auf den Kreuzbergschanzen. Foto: Barbara Enders

"Endlich gibt es wieder Wettkämpfe für die Kinder", freute sich Patricia Zähringer, Mutter eines Skispringerkindes aus Kiefersfelden. Am späten Samstagnachmittag stand sie an der Crosslauf-Strecke im kühlen Rhöner Buchenwald am Kreuzberg und wartete auf die jungen Sportler, die gleich vorbeilaufen sollten. Der abwechslungsreiche Rundkurs von 1,25 Kilometern Länge musste – je nach Alter des Läufers – bis zu dreimal absolviert werden. Das ist eigentlich kein Problem, doch ist der Tag für die Schüler schon lang gewesen. Das Kiefersfeldener Team startete Samstag früh um fünf Uhr, um in die Rhön zu fahren und am ersten Wettkampf des diesjährigen bayerischen Schülercups (BSC) in der nordischen Kombination teilzunehmen.

Sie wollten nur einmal übernachten, dafür nahmen sie den frühen Start in Kauf. Allerdings hätte sich Zähringer einen strafferen Terminplan an den Schanzen gewünscht. Morgens freies Training, nachmittags offizielles Training und um 18 Uhr der Crosslauf, dazwischen viel freie Zeit. Das hätte man ihrer Meinung nach etwas straffen sollen. Am Spätnachmittag waren auch jene, die bereits am Vortag angereist waren, schon etwas erschöpft.

Trainer, Freund oder Ersatzopa

Für den langjährigen Trainer Günther Göllner aus Warmensteinach stellt das kein Problem dar. Seiner Meinung nach ist das vergleichbar mit den Winterwettkämpfen, die oftmals bei Flutlicht am Abend durchgeführt werden. Göllner ist zwar nicht mehr als Trainer aktiv, aber seine ehemaligen Schützlinge begleitet er immer noch leidenschaftlich gerne zu ihren Wettkämpfen. "Ich bin kürzlich 80 geworden und mir geht's gut", erzählt er in gemütlicher Nachmittagsrunde während des Trainings auf den Schanzen. Der gebürtige Österreicher, der immer gute Laune zu verbreiten scheint, lebt in Warmensteinach, und so oft er kann, geht er zum Bergsteigen in seine Heimat oder aber zu den Wettkämpfen der jungen Sportler und Sportlerinnen, ist für sie Trainer, Freund oder Ersatzopa.

Am Sonntagmorgen freuten sich Skispringer, Organisatoren und Helfer, dass trotz der frühen Wettkampfzeit um neun Uhr schon Zuschauer in der Kreuzbergarena waren. Unter ihnen auch Elke Doris Dillemuth aus dem Vogelsberg. Sie hatte die eineinhalbstündige Anfahrt nicht gescheut, denn ihr in Garmisch lebender Enkel Daniel nahm ebenfalls am Wettkampf teil. Sie erzählte während des Wartens aus ihrer Jugend, als ihre Mutter sie einst am Hoherodskopf auf die Sprungski stellte. 81 Mädchen und Jungen waren für den Wettbewerb auf den Schanzen K 50 und K 30 gemeldet, weitere fünf Kinder für den Minicup auf der K 16.

Rhönadler am Start

Zum Teilnehmerfeld gehörten auch die jungen Skiadler der ausrichtenden Rhöner Vereine RWV Haselbach und WSV Oberweißenbrunn. Anna Chlebowy (RWV), Janis Kansog, Marlene Günther und Valentin Koba (alle WSV) stellten sich der Herausforderung Lauf und Sprung. Zwei weitere Kinder, die erst kürzlich mit dem Sport begonnen haben, durften beim Minicup auf der K 16 als Vorspringer dabei sein. Die siebenjährige Josefine Grösch (RWV) rutschte den Aufsprunghügel hinunter, Igor Malechewicz (RWV) sprang bereits über den Schanzentisch.

Nico Chlebowy, Sprunglaufwart des RWV, berichtete, dass diese Veranstaltung der erste richtige Wettkampf seit September 2020 war. Dazwischen gab es nur sogenannte virtuelle Skispringen, bei denen Trainer Maximilian Lange die Sprünge seiner Schützlinge im Video festhielt, auswertete und die besten bei einer Jury einreichte. Die Jugendlichen hatten lange warten müssen, bis sie ihre Freunde aus der großen Springerfamilie endlich wieder treffen konnten.

Das Wetter spielte mit

Das Wetter hatte mitgespielt und hielt am Samstag bis kurz vor Ende des Crosslaufes, als es einmal ganz kurz regnete. Am Sonntag, der ganz im Zeichen des Sprunglaufes stand, schien fast den ganzen Tag die Sonne. Allerdings fiel das große Abschlussfoto am Ende der Siegerehrung einem kräftigen Regenschauer zum Opfer und die Bestplatzierten der letzten drei Startklassen nahmen ihre Pokale im Regen entgegen.

Auszüge aus der Ergebnisliste, Nordische Kombination: Schüler 11 und jünger: 1. Zeno Rumpfinger (WSV Oberaudorf) 426,2 Punkte; 2. Linus Schmid (SC Oberstdorf) 409,4; 3. Daniel Schmid (WSV-DJK Rastbüchl) 408, 5; ... 11. Valentin Koba (WSV Oberweißenbrunn) 294,0. Schüler 13: 1. Simon Goller (SC Ruhpolding) 420,2; 2. Bernhard Meess (SK Ramsau) 413,5; 3. Timo Häfner (WSV Warmensteinach) 404,1; ... 6. Janis Kansog (WSV Oberweißenbrunn) 379,9. Schülerinnen 13: 1. Lisa Feicht (WSV Kiefersfelden) 409,8; 2. Anna Chlebowy (RWV Haselbach) 312,0. Schülerinnen 14, 15, 16: 1. Sofie Eggensberger (SC Oberstdorf) 421,6; 2. Sara Johannsen (WSV Kiefersfelden) 414,7; 3. Amelie Grüner (SC Partenkirchen) 386,5; ... 6. Marlene Günther (WSV Oberweißenbrunn) 230,6.

Die Rhönadler: Trainer Maximilian Lange (hinten von links), Marlene Günther, Anna Chlebowy, Janis Kansog und der Sprunglaufwart des RWV, Nico Chlebowy. Vorne von links die "Küken" Josefine Grösch, Valentin Koba und Igor Malechewicz. Foto: Gerda Chlebowy
Janis Kansog vom WSV Oberweißenbrunn lief und sprang in der nordischen Kombination des bayerischen Schülercups  in seiner Altersklasse auf den 6. Platz. Foto: Barbara Enders
Günther Göllner war lange Jahre Trainer für die Skisprungjugend. Seine Leidenschaft für das Skispringen lässt ihn immer wieder zu den Wettkämpfen seiner Schützlinge mitkommen. Foto: Barbara Enders