TISCHTENNIS:

Bastian Steger zeigt starke Nerven und starke Rückschläge

Bastian Steger (im Bild) hat die 4. Auflage der Düsseldorf Masters gewonnen. Foto: Rudi Dümpert

Aus Düsseldorf, speziell aus der ARAG-Arena und dem Bundesleistungszentrum des Deutschen Tischtennis-Bunds (DTTB), erreichten am Donnerstagabend den Bundesligisten TSV Bad Königshofen eine gute und eine weniger gute Nachricht. Die gute: Das eine Zugpferd des Bundesligisten, Bastian Steger, hat bei seiner ersten Teilnahme an der neu geschaffenen Turnierserie, den 4. Düsseldorf Masters, den Turniersieg geholt. Die schlechte: Das andere, Kilian Ort, fehlte erneut wegen einer Fußverletzung, die er gründlich auskurieren will, um beim TTBL-Saisonstart im September voll angreifen zu können.

Siegerliste: Boll, Ovtcharov, Steger

Von Juni bis August überbrücken Borussia Düsseldorf und der DTTB die coronabedingte Wettkampfpause nahezu wöchentlich mit diesen Einladungsturnieren. Das erste gewann Timo Boll, das zweite und dritte Dimitrij Ovtcharov. Und nun reihte sich der für den TSV Bad Königshofen spielende Oberpfälzer Bastian Steger in die prominente Siegerliste ein. Damit meldete er sich zurück im Kampf um die Nummern 3 und 4 der für Olympia 2021 zu nominierenden Nationalmannschaft. Im K.-o.-System ermitteln jeweils 16 überwiegend nationale, aber auch internationale Weltklasse-Spieler den Sieger. Den Abschluss der Serie bildet ein Finalturnier mit acht Profis, für das sich fünf über die Punktewertung qualifizieren. Drei erhalten eine Wildcard, unter ihnen vielleicht sogar Kilian Ort.

Matches mit Höhen und Tiefen

Bastian Steger, inzwischen auf Nummer 125 der Weltrangliste abgerutscht, setzte sich mit Ausnahme des Achtelfinales gegen den jungen Regionalligaspieler Tobias Slanina gegen drei Weltklasse-Athleten durch, die weit vor ihm platziert sind. Das relativ leichte Auftaktmatch (4:0) reichte dem 39-jährigen Routinier, „um sofort wieder in den Wettkampfmodus umzuschalten“. Dies, obwohl er in den folgenden Matches alle Höhen und Tiefen seines Sports dicht gedrängt überstehen musste. So setzte er sich gegen den Grünwettersbacher Dang Qiu (Weltrangliste: 52), den Bergneustädter Benedikt Duda (Weltrangliste: 39) und den US-Amerikaner Kanak Jha (Weltrangliste: 27) durch. „Er hat ja angeblich noch nie gegen einen Königshöfer gewonnen“, wusste Steger.

Im Halbfinale gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Duda im Halbfinale Steger bei 3:1-Führung zwei Matchbälle zu einem 4:1-Sieg. Im entscheidenden siebten Satz dieses über eine Stunde dauernden, hochkarätigen Schlagabtausches um den Einzug ins Finale wehrte er bei 9:10 einen Matchball gegen sich ab. „Es war richtig eng“, gestand er. „Ich hätte es eigentlich früher zumachen können. Wir trainieren ja sonst tagtäglich zusammen. Da gibt es so gut wie keine Geheimnisse mehr. Bei diesen Masters war das glückliche Ende auf meiner Seite.“

Unbeeindruckt vom Fehlaufschlag

So auch im Finale gegen Dang Qiu, das er im siebten Satz (4:3) mit 11:9 für sich entschied. Der 16 Jahre jüngere Penholder-Spieler hatte nach Sätzen bereits 2:0 und 3:2 geführt. Doch Steger, an Position 6 für dieses Turnier gesetzt, ließ sich von den Rückständen nicht beeindrucken. Wie zuvor gegen Duda bewies der Routinier sehr starke Nerven. So steckte er denn auch bei eigener 9:8-Führung im siebten Satz unbeeindruckt einen eigenen Fehlaufschlag zum 9:9 weg und breakte zwei Mal das Service des Portugal-Open-Siegers Qiu zum Matchgewinn.

Warum Steger erst beim vierten Turnier einstieg, war Konsequenz seiner Trainingssteuerung. „Ich bin nach mehreren Wochen totaler Tischtennispause vor zwei Monaten wieder eingestiegen und habe es vorgezogen, lieber erst mal ordentlich zu trainieren und in Form zu kommen.“ Das Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf sei zwar relativ früh wieder geöffnet worden im Vergleich zu anderen Einrichtungen. „Ich bin aber nicht gleich reingegangen, sondern habe erst mal die Entwicklung abgewartet, war nicht so ganz sicher, ob das auch funktioniert. Wettkämpfe hatte ich bislang noch keine und war etwas überrascht, dass es gleich so gut gelaufen ist. Natürlich tut einem das gut, gegen weiter oben Platzierte zu gewinnen.“

„Komische“ Atmosphäre

Als „besonders ungewohnt“ beschreibt Bastian Steger die gespenstische Atmosphäre, ohne Zuschauer in einer so großen Halle zu spielen. „Ein bisschen komisch ist es schon. Man empfindet es wie ein Match im Training. Kein Beifall, keine Stimmung. Tischtennis ist ein Sport, der viel mit Emotionen zu tun hat. Sicher kommen einem auch mal solche Gedanken zwischen den Ballwechseln. Aber man besinnt sich dann wieder auf das Wesentliche und knipst es weg. Man akzeptiert es dann auch, zumal es dem Gegner ja genau so geht. Die anderen sehen das genauso. Beim nächsten Turnier sind wieder Zuschauer erlaubt, ich glaube 120. Am meisten freue ich mich aber wieder darauf, in der Shakehands-Arena in Bad Königshofen zu spielen, irgendwann sogar vor vollem Haus.“