HANDBALL:

Ein Glücksgriff für beide Seiten

Lorenz Krainhöfner kam im Laufe dieser Saison aus Meiningen zu den Mellrichstädtern B-Junioren und entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Leistungsträger. Foto: Anand Anders

Wenn alles nach Plan läuft, dann dürfen die B-Jugend-Handballer des TSV Mellrichstadt Anfang März die Meisterschaft in der übergreifenden Bezirksliga feiern. Aus den bisherigen elf Spielen holte die Mannschaft des Trainergespanns Alexander Schultze/Ditmar Piechulek zehn Siege und hat dadurch auf den Tabellenzweiten TG Heidingsfeld aktuell vier Punkte Vorsprung. „Wir haben die besten Möglichkeiten und werden mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ende auch den Titel holen“, sind sich Schultze und Piechulek sicher. Dass die Mellrichstädter in Zeiten von Nachwuchssorgen überhaupt eine B-Jugend-Mannschaft melden konnten, liegt auch an drei Spielern, die in Thüringen wohnen, beim ESV Lokomotive Meiningen das Handballspielen erlernten und zum Teil nun bereits seit über zwei Jahren für den TSV Mellrichstadt spielen.

Erste Kontakte vor zwei Jahren bei einem Testspiel der Männer

Im Rahmen eines Testspiels der Männermannschaften aus Meiningen und Mellrichstadt sind vor knapp drei Jahren die ersten Kontakte zwischen den beiden Vereinen entstanden. „Ich habe damals in Meiningen einige Kinder beim Training gesehen und habe daraufhin Kontakt mit Marco Oelke, dem Handball-Abteilungsleiter des ESV Lok Meiningen, aufgenommen“, berichtet Piechulek. Zu dieser Zeit hatten die Mellrichstädter D-Junioren einige personelle Probleme und es stand in den Sternen, ob man in der folgenden Saison eine C-Jugend-Mannschaft würde melden können. Gleichzeitig hatten auch die Meininger zu wenig Spieler, um eine Mannschaft im Spielbetrieb melden zu können. Stattdessen nahmen die Thüringer an einigen Turnieren teil, die aber nur unregelmäßig stattfanden.

„Das Wichtigste für die Jugendlichen in diesem Alter ist aber regelmäßige Spielpraxis“, findet Piechulek und so entstand schnell die Idee, die Meininger Nachwuchs-Handballer in Mellrichstadt spielen zu lassen. Torhüter Jakob Alt, Außenspieler Loris Söhnchen und der groß gewachsene Rückraumspieler Felix Oelke wurden in kürzester Zeit zu absoluten Leistungsträgern und hatten einen großen Anteil am Höhenflug der Mellrichstädter C-Junioren, die in der letzten Saison in der übergreifenden Bezirksoberliga Vizemeister wurden.

Oelke schafft über Mellrichstadt den Sprung zum SC DHfK Leipzig

„Im Nachhinein war es für beide Seiten ein Glücksgriff“, findet Piechulek. Zum einen hätten die Mellrichstädter ohne die drei Verstärkungen aus Meiningen wohl keine Mannschaft melden können, was bedeutet hätte, dass die Jugendlichen in der nächst höheren Altersklasse hätten spielen müssen. „Das wäre für einige aber wohl ein zu großer Sprung gewesen“, glaubt Piechulek. Profitiert vom regelmäßigen Spielbetrieb hat aber auch Felix Oelke, der teilweise über 20 Treffer pro Spiel für die Mellrichstädter erzielte und schnell das Interesse anderer Vereine weckte. Seit dieser Saison spielt Oelke nun für die C-Junioren des Bundesligisten SC DHfK Leipzig und ist dort einer der Leistungsträger. „Das ist natürlich auch eine gewisse Auszeichnung für unsere Arbeit“, findet Piechulek.

Der B-Jugend winkt der Meistertitel

An der Seite von Felix Oelke haben aber auch die anderen TSV-Spieler in den letzten beiden Jahren große Sprünge gemacht und so winkt ihnen, mittlerweile eine Altersklasse höher bei den B-Junioren, als Lohn die Meisterschaft. Mit Lorenz Krainhöfner verstärkt seit dieser Saison noch ein weiterer Meininger das Team. Auch er hat sich, seitdem er regelmäßig trainiert und spielt, stark verbessert und zählt als Außen zu den torgefährlichsten Spielern des Teams. „Wir haben bei den B-Junioren wirklich eine Top-Truppe. Die Meininger Spieler sind super integriert und haben hier schnell Freunde gefunden“, freut sich Piechulek. Auch zwischen den Eltern der Spieler sind Freundschaften entstanden. So gab es beispielsweise im letzten Sommer ein gemeinsames Grillfest in Thüringen.

Kleinere Probleme gebe es bei dieser Partnerschaft zwischen Ost und West dann aber doch, macht Mellrichstadts Abteilungsleiter Steffen Fiedler deutlich: „Bayern und Thüringen haben oft zu unterschiedlichen Zeiten Schulferien. Der Liga-Spielplan ist aber natürlich auf die bayerischen Ferien abgestimmt und so stehen uns ab und an die Meininger Spieler nicht zu Verfügung.“ Hier sei es wichtig, dass die Eltern hinter dem Hobby ihrer Kinder stehen. So wird der Urlaub schon einmal um ein paar Tage verschoben, um bei einem Spiel dabei sein zu können.

Ob die drei Spieler aus Thüringen irgendwann auch einmal in der Männermannschaft des TSV Mellrichstadt spielen werden? „Das wird man sehen. Die Hoffnung besteht natürlich, dass sie hier bleiben. Immerhin sind sie bestens bei uns integriert“, sagt Fiedler. Und wenn nicht, dann würde der ESV Lokomotive Meiningen, der Mitte der 1990er ein Jahr in der drittklassigen Regionalliga spielte und mittlerweile in der thüringischen Verbandsliga beheimatet ist, drei bestens ausgebildete Spieler zurückbekommen.

Engagieren sich für den Handball-Nachwuchs beim TSV Mellrichstadt. Von links: Steffen Fiedler (Abteilungsleiter, Trainer Frauen und A-Jugend), Ditmar Piechulek (Trainer Männer und B-Jugend) und Alexander Schultze (Trainer B-Jugend). Foto: Florian Karlein
Lorenz Krainhöfner (von links), Jakob Alt und Loris Söhnchen begannen beim ESV Lokomotive Meiningen mit dem Handballspielen und sind mittlerweile feste Stützen bei den B-Junioren des TSV Mellrichstadt. Foto: Steffen Fiedler