Mellrichstadt

"Ich bin ä alt’s Fräle": Martha Harms ist mit 102 noch "gut beinanner"

Zum 102. Geburtstag von Martha Harms gratulierten Landrat Thomas Habermann (vorne) und Bürgermeister Michael Kraus. Den Empfang vorbereitet hatten die beiden Pflegedienstleiterinnen Kerstin Meisinger-Klemm (hinten links) und Olesja Müller. (Foto: Georg Will) Foto: Georg Will

„Ich bin ä alt’s Fräle und für mei‘ Alter noch gut beinanner und flott unnerwegs“, und so „bin ich ä reich‘ Fräle“, sagte die 102-Jährige Martha Harms an ihrem Geburtstag, zu dem sie von Landrat Thomas Habermann und Bürgermeister Michael Kraus beim offiziellen Geburtstagsempfang am Montag im Altenheim St. Niklas besucht wurde. Sie ist dankbar für ihren relativ guten Gesundheitszustand und ein zufriedener und bescheidener Mensch. Für sie sind menschliche Werte wichtiger als materielle. Dies war aus der lockeren Unterhaltung mit ihren prominenten Gästen herauszuhören.

Nach den jeweils kurzen Begrüßungs- und Gratulationsworten des Landkreisrepräsentanten und des Mellrichstädter Bürgermeisters mit Geschenk- und Blumenübergabe wurde auf die älteste Mellrichstädterin im Beisein der beiden Pflegedienstleiterinnen Olesja Müller und Kerstin Meisinger-Klemm (Stellvertreterin) sowie Pflegerin Ulrike Buchert angestoßen. Dann entspann sich eine interessante und heitere Plauderei, die häufig von Schmunzeln und fröhlichem Lachen begleitet wurde.

Martha Harms unternimmt noch eigenständig Spaziergänge

Auch wenn sie altersbezogen sehr gut beieinander ist und auch noch eigenständig Spaziergänge unternimmt, ist die flotte Martha auf ihren Rollator angewiesen. Manchmal geht sie sogar bis ins Sonnenland, wo sie noch bis 2015 im Eigenheim mit bestens gepflegtem Garten wohnte.

Bereitwillig erzählte sie über ihr langes Leben, natürlich in erster Linie über lange zurück liegende Zeiten, vor allem über Rappershausen, wo sie als Martha Buchert am 7. Juni 1919 geboren wurde, als jüngstes von zehn Kindern ihrer Eltern Elise und Alwin Buchert. Im Landwirtschaftsbetrieb der Eltern („Gäulsbauern“) half sie früh mit, machte gerne Feldarbeit und hatte Freude am Umgang mit „unnerm schwere Gaul“ Isabella, „der alles gezerrt hat“. Die Landwirtschaft war in erster Linie Selbstversorgung.

Jubilarin arbeitete bei der Firma Reich in der Klingelproduktion

Geld konnte man gelegentlich verdienen mit dem Verkauf von Äpfeln und Kirschen. Die Familie hielt sich vier Milchkühe, ein paar Ziegen, Gänse, Enten und Hühner. „Alle 14 Toch ham 'mer im Backhaus Brot gebacke, 14 Stück, und alle Johr zwä Säu' g'schlacht‘“, erzählte sie stolz und zufrieden, denn so konnte man die wichtigsten Bedürfnisse stillen und hatte sein Auskommen. „Der liebe Gott hat es immer gut mit uns gemeint“, sagte sie dankbar.

Auch mit ihrem ersten Ehemann Erhard Dod wohnte sie noch in Rappershausen. Sie sprach von einer „Kriegsehe“, die nicht lange währte, weil ihr Gatte noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs starb. In diesem Krieg verlor sie auch drei ihrer vier Brüder. Später wurde sie bei Firma Reich in der Klingelproduktion eingestellt und blieb der Firma bis zum Renteneintritt treu. Bei Reich lernte sie ihren zweiten Mann Karl Harms kennen, der damals Witwer war und Tochter Gudrun in die zweite Ehe mitbrachte. Sie lebt heute im Raum Frankfurt. Die Familie wohnte fortan im Eigenheim im Mellrichstädter Sonnenland. Im eigenen Garten wurde Obst und Gemüse angebaut. Neben Gartenarbeit war Stricken ihr Hobby.

Die fromme Christin bekam zum Geburtstag auch Besuch und kleine Geschenke vom evangelischen Kirchenvorstand in Person von Barbara Böhm sowie von Verwandten und Freunden. Heute nimmt sie noch engagiert an Gemeinschaftsveranstaltungen im Seniorenheim teil, pflegt ihre Freundschaften im Haus, lässt sich gerne aus der Zeitung vorlesen und sieht sich am Abend allerlei Fernsehsendungen an. Sie macht einen zufriedenen Eindruck und ist guter Dinge, dass sie Landrat und Bürgermeister auch im nächsten Jahr wieder begrüßen kann. Die beiden haben ihr Kommen bereits zugesagt.