Wargolshausen

Windpark: Gessner fordert Menningers Rücktritt

Bert Kowalzik hatte zu einem "Aufschrei" gegen den Windpark Wargolshausen/Wülfershausen geladen. Foto: Eckhard Heise

Bei einer Kundgebung gegen den geplanten Windpark rund ums Dorf setzte Wargolshausen mit einer Anzahl von knapp 150 Teilnehmern ein deutliches Zeichen des Widerstands. Zu Wort kamen die direkt Betroffenen, die ihre Argumente aufführten, die gegen das Vorhaben sprachen. Darüber hinaus gab es herbe Kritik an Hollstadts Bürgermeister Georg Menninger. Ein Redner forderte das Ortsoberhaupt wegen seiner Unterstützung des Projekts zum Rücktritt auf.

Die Gesetzesinitiative im bayerischen Landtag, die für das Aufstellen von 13 Windrädern das Aus bedeuten könnte , entzündete schon vor einigen Tagen eine heftige Diskussion in den sozialen Medien wie auch unter Leserbriefschreibern in den Tageszeitungen. Nach Veranstaltungen der Befürworter hatte nun Bert Kowalzik, einer der Hauptinitiatoren des Protests gegen das Projekt, zu einer Kundgebung in den Kommunikationshof von Wargolshausen geladen.

Völlig falsches Bild

In einem kurzen Statement als Einführung kritisierte Kowalzik den Begriff "Bürgerwindpark", wie er von einigen Politikern und überregionalen Medien verwendet werde. Dabei erinnerte er vielmehr an eine Unterschriftensammlung mit knapp 1000 Unterzeichnern aus den betroffenen Gemeinden, die sich gegen das Vorhaben gewandt hätten.

Denn von einem Projekt der Bürger - das er als illegal bezeichnet - könne nicht die Rede sein, fuhr Michael Reinhart fort. Dazu hätten die Bürger in irgendeiner Form beteiligt werden müssen. Er könne daher auch nicht nachvollziehen, wie der Bürgermeister von einer hohen Akzeptanz sprechen könne und in einem Brief nach München von den drei Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden ein völlig falsches Bild vom Willen der Bürger Hollstadts und seiner Ortsteile gezeichnet habe. "Weil er damit wissentlich das Gremium hintergangen hat", forderte Reinhart das Oberhaupt auf, den Brief dem Gemeinderat vorzulegen und sich öffentlich zu entschuldigen.

Rücktrittsforderung

Noch weiter ging Jürgen Gessner. Das ehemalige Gemeinderatsmitglied beteuerte, dass sich das Gremium während seiner Amtszeit in drei Abstimmungen gegen das Projekt ausgesprochen habe. Jetzt zu behaupten, dass der Gemeinderat das Projekt unterstütze, sei "Amtsmissbrauch". Er forderte den Bürgermeister zum Rücktritt auf.

Der derzeitige Gemeinderat Gerhard Zwierlein rügte ebenfalls das Verhalten des Ortsoberhaupts als "antidemokratisch". Der Bürgermeister habe bei der jüngsten Gemeinderatssitzung das Thema in den nichtöffentlichen Teil verschoben und dann die Diskussion schon nach wenigen Sätzen beendet. Die Wargolshäuser Gemeinderätin Elsbeth Warmuth informierte, dass sie deshalb eine Sondersitzung beantragt habe, in der der ominöse Brief mit dem Bekenntnis der drei Bürgermeister verlesen und behandelt wird.

Bei einer Kundgebung in Wargolshausen sprachen sich zahlreiche Redner gegen den geplanten Windpark vor den Toren des Dorfes aus. Foto: Eckhard Heise

Verlust der Lebensqualität

Arthur Schmitt zitierte aus einem Brief an den Bayerischen BBV-Präsidenten, in dem eine Erklärung gefordert wird, warum sich der Bauernverband hinter das Projekt stellt. Julia Büttner richtete ihre Vorwürfe an Politik wie an die Betreiber und brachte die Bedenken der Bevölkerung zum Ausdruck, die vor allem einem Verlust der Lebensqualität in den betroffenen Ortschaften befürchte.

Julia Diller bezweifelte die Nachhaltigkeit der Windenergieanlagen. Horst Hartmann unterstellte den Projektanten unredliches Vorgehen beim Erwerb der für die Windräder benötigten Flächen, während Lothar Büttner das Verhalten des evangelischen Dekans Matthias Büttner beanstandet, der bei einer Veranstaltung der Projektunterstützer auch im Namen der katholischen Kirche das Projekt ausdrücklich im Sinne der Energiewende für gut befunden und sogar eine Unterschriftensammlung dafür befürwortet habe. Aus Protest überlege er sich, am nächsten Sonntagsgottesdienst nicht die Orgel zu spielen.