Bad Neustadt

Tödlicher Unfall bei Bad Neustadt: Polizei informiert zum Stand der Ermittlungen

Die Ursache für den schweren Verkehrsunfall am 1. September an der Auffahrt zur A 71 bei Bad Neustadt ist nach wie vor noch nicht endgültig geklärt. Viele Einzelheiten müssen hier noch zusammen gefügt werden, hieß es in einem Pressegespräch der Polizeiinspektion Bad Neustadt. Foto: Hanns Friedrich

Die Gerüchte um den Verkehrsunfall an der Auffahrt zur A 71 am Morgen des 1. September, vor allem seine Folgen für die 19-jährige Fahrerin aus Rhön-Grabfeld, haben Polizeirat Jan Schubert und den Sachbearbeiter, Polizeiobermeister Patrick Werner, veranlasst, im Gespräch mit dieser Redaktion Stellung zu nehmen.

"Es ist unverantwortlich und pietätlos"

"Es ist unverantwortlich und pietätlos, was hier erzählt wird und womit man das Leid der betroffenen Familien verstärkt", sagen beide. Bestätigen könne man, dass die 19-Jährige nach wie vor in Lebensgefahr schwebt. Sie wurde nach einer komplizierten Rettung durch die Feuerwehr vom Notarzt und Notfallsanitätern in ein Klinikum gebracht. Ein 60-Jähriger aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld wurde noch am Unfallort erstversorgt, erlag aber im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Seitdem ist Patrick Werner mit den beiden betroffenen Familien im engen Kontakt. Dabei wurde er immer wieder auf die Gerüchte angesprochen, die bis zu den Betroffenen vorgedrungen sind. "Da wird was erzählt… der eine hört etwas vom anderen… keiner aber weiß etwas Genaues. Das  ist das Schlimme an den Gerüchten, sie vermehren das Leid der betroffenen Familien", sagt Werner.

Die Polizei informiere die beiden Familien regelmäßig über weitere Erkenntnisse, sofern diese aufgrund der noch andauernden Ermittlungen herausgegeben werden dürfen. Letztendlich sei die Staatsanwaltschaft Schweinfurt "Herrin" des Ermittlungsverfahrens. "Wir bewerten unfallursächlich und ohne Schuldzuweisung, das steht uns nicht zu." 

Untersuchungen gehen in viele Richtungen

Polizeirat Jan Schubert, Leiter der Polizeiinspektion Bad Neustadt, spricht von einem komplexen Unfall, dessen Ursachen in viele Richtungen untersucht werden müssen. Der genaue Unfallhergang werde wohl erst in einigen Wochen, eventuell Monaten, vollkommen aufgeklärt sein.

Nach wie vor steht immer noch nicht endgültig fest, wie es zu dem Frontalzusammenstoß der beiden Fahrzeuge kam. Dies zu ermitteln, sei auch der Grund gewesen, warum die B 279 an diesem Tag für rund sechs Stunden für den Verkehr gesperrt war.

Zur Klärung des genauen Unfallherganges wurde auf Weisung der Staatsanwaltschaft Schweinfurt eine Unfallsachverständige der DEKRA (Deutscher Kraftfahrzeug Überwachungsverein) hinzugezogen. Diese untersuchte mithilfe modernster Geräte den Unfallort, um das Unfallgeschehen beweiskräftig nachvollziehen zu können.

Verzweifelte Suche nach dem einen Zeugen

Polizeihauptkommissar Gerd Jahrsdörfer, Sachbearbeiter Verkehr, spricht ein großes Problem an: Zeugen, die  "den genauen Unfallhergang gesehen haben." In diesem Zusammenhang wird ein Lkw-Fahrer gesucht, der von der B 279 kam und in Richtung Bad Neustadt abgebogen ist. "Er müsste es eigentlich bemerkt haben." Diese Information kommt von zwei Zeugen, die sich nach einem Aufruf dieser Zeitung, bei der Polizeiinspektion gemeldet haben.

Ein großer Vorteil sei gewesen, dass ein Arzt auf dem Weg zum Dienst unter den Ersthelfern war und sofort schnelle und kompetente Hilfe leisten konnte. Herausgestellt haben die Polizeibeamten auch den professionellen Einsatz der Feuerwehren Bad Neustadt und Hollstadt, die die 19-jährige Fahrerin aus dem Wrack befreiten. Dazu waren komplizierte Rettungsmaßnahmen notwendig, um die im Fußraum ihres Fahrzeugs eingeklemmte, junge Frau zu befreien.

Die hervorragende Zusammenarbeit der Feuerwehren mit den Notfallsanitätern sowie der Polizei habe dazu geführt, dass die junge Frau lebend aus dem Fahrzeug gerettet wurde. Allerdings seien ihre Verletzungen so gravierend, dass nach wie vor Lebensgefahr besteht.

Aufklärung kann Monate dauern

"Der Unfallhergang wird sicher klärbar sein, allerdings wird das noch eine ganze Zeit dauern", sagt Gerd Jahrsdörfer. Erfreulich sei gewesen, dass bei dem Unfall keine "Gaffer" zu sehen waren und auch aus vorbeifahrenden Autos keine Handybilder gemacht wurden. Das sei immer das Schlimmste, wenn in den sozialen Medien derartige Bilder zu sehen sind und gefragt wird, was denn da los ist. Keiner denke daran, dass diese Fotos eventuell auch die Familienmitglieder der Betroffenen sehen und das noch vor einer konkreten Information von der Polizei. Nicht nur die Unfallaufnahme gehört zu den Aufgaben der Polizei, sondern auch möglichst zusammen mit Notfallseelsorgern die Angehörigen bei gesicherter Informationslage zu verständigen.

Auf das Thema "Nebel zum Unfallzeitpunkt" angesprochen, sagt Patrick Werner, dass es zwar örtlichen Nebel gab, dieser aber nach derzeitigem Erkenntnisstand die B 279 nicht direkt betroffen habe.  Jan Schubert: "Sobald gesicherte Informationen zu den Unfallermittlungen vorliegen, wird dies über die Staatsanwaltschaft Schweinfurt als gemeinsame Presseerklärung herausgegeben."

Noch einmal auf die genannten Gerüchte angesprochen, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Bad Neustadt, dass beim bewussten Weiterverbreiten unwahrer Tatsachen auch durchaus Straftatbestände erfüllt sein können. "Es wird vor allem aus Rücksicht auf die Angehörigen darum gebeten, davon abzusehen."