Bad Neustadt

Im Handwerk sind im Landkreis noch Plätze frei

Bei einer Gesprächsrunde erläuterten Ausbilder, Lehrer und Auszubildende an der Berufsschule in Bad Neustadt die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Fazit: Es gibt noch Stellen. Foto: Claudia Seifert

Die Corona-Krise hat tiefe Spuren in allen Lebensbereichen hinterlassen. Zu den Verlierern gehören auch junge Menschen. Die Eingriffe ins Bildungssystem haben Defizite und Unsicherheiten hinterlassen und schlagen sich jetzt auch in der Wirtschaft nieder, weil Ausbildungsstellen nicht besetzt sind. Das Handwerk aber sagt, "hier, wir haben noch Plätze, wenn ihr wollt, könnt ihr noch einsteigen".

"Das Handwerk hat nach wie vor goldenen Boden", sagt Metallinnungsobermeister und stellvertretender Kreishandwerksmeister Klaus Engelmann in einer Runde von Ausbildern und Lehrlingen. Die Auftragslage sei in vielen Bereichen erfreulich, in manchen boomt es sogar. Allerdings seien die Randbedingungen aktuell wenig erbaulich, räumt der Betriebsinhaber ein. Eine davon sei der fehlende Nachwuchs.

Besondere Situation während der Pandemie

Der Mangel betreffe nahezu alle Branchen, nur die Industriebetriebe konnten ihren Bedarf decken, aber nur weil inzwischen auch Bewerber mit niedrigerer Qualifikation berücksichtigt werden, beschreibt Engelmann die derzeitige Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Das Niveau der Bewerber sei aber insgesamt gesunken, was er auf die schulische Situation während der Pandemie zurückführt.

Tatsächlich gebe es eine Tendenz bei den Schülern, die Abschlussklasse zu wiederholen, um sich bessere Noten zu verschaffen, fährt stellvertretender Berufsschulleiter Christian Stöhr fort. Der Studiendirektor führt diese Entwicklung auch auf mangelnde Leistungsbereitschaft zurück. Außerdem streben mehr Schüler nach der Mittelschule einen höheren Abschluss an.

Kein vollwertiger Ersatz

Hinzu käme, dass die beruflichen Orientierungsmöglichkeiten stark eingeschränkt gewesen seien. "Viele Betriebe haben keine Praktikumsstellen angeboten", erklärt Stöhr. Darüber hinaus seien die Berufsmessen ausgefallen, die digitale Messe sei kein vollwertiger Ersatz gewesen. "Es fehlte der persönliche Kontakt."

Für sich hat Felix Klett die richtige Entscheidung getroffen, als er sich nach einem Praktikum für einen Metallbaubetrieb entschied. Foto: Eckhard Heise

Wie wichtig Praktika sind, unterstrich Felix Klett mit seinen Äußerungen. Der 15-Jährige aus Oberwaldbehrungen hat gerade ein Lehre bei der Metallbaufirma des Innungsobermeisters in Wollbach angetreten. Während der Schulzeit habe er drei Praktika wahrgenommen, erzählt Klett: Bei einer Schreinerei, auf dem Bau und bei seinem jetzigen Arbeitgeber. Seine Entscheidung für einen Metallberuf beruhe auf den Erfahrungen während der Praktika. Er sei jetzt erst einige Tage dabei, doch seine Entscheidung habe er nicht bereut und er könne sich gut vorstellen, dass er in dem Beruf bleiben will.

Zahl der Einsteiger zurückgegangen

Der junge Auszubildende bestätigt aber auch, dass ein Teil seiner ehemaligen Mitschüler "einfach zu bequem ist", um eine Lehre zu machen oder sich nicht entscheiden wollte. Viele würden jetzt sogar noch eine Ausbildungsstelle suchen. Stöhr ergänzt, dass die Zahlen bei den Einsteigern an der Berufsschule tatsächlich deutlich gesunken seien.

Stöhr und Engelmann heben aber hervor, dass es für Spätentschlossene noch Möglichkeiten zum Einstieg gebe. Weil fehlende Transportmittel oft ein Handicap darstellten, weisen die beiden noch auf den Azubi-Shuttle hin, der Lehrlinge aus abgelegenen Ortschaften jeden Tag zu ihrer Arbeitsstätte fährt. Für die Betriebe gebe es außerdem die Möglichkeit einer Förderung von 6000 Euro, wenn sie einen zusätzlichen Ausbildungsplatz anbieten.

Ein wichtiges Entscheidungskriterium sollten für die Jugendlichen jedoch die ausgezeichneten Zukunftsaussichten sein. Das Handwerk boome, die Nachfrage für Fachkräfte sei gewaltig. "Deutschland braucht Handwerker", beteuert Engelmann.