Bad Neustadt

Hochwasserschutz in Rhön-Grabfeld: "Ein Restrisko bleibt"

Glimpflich ist Saal beim letzten größeren Hochwasser im Januar dieses Jahres davongekommen. Absolute Sicherheit vor schweren Überflutungen gibt es aber nicht. Foto: Eckhard Heise

Die jüngsten Hochwasserereignisse in der Eifel und anderen Regionen dürften dem letzten Zweifler zwei Dinge klar gemacht haben: Der Klimawandel ist voll im Gange, und: Es gibt keine Sicherheit – für niemanden. Da die Ursachen und die Entwicklung nicht so einfach aus der Welt zu schaffen sind, gilt es nun, auf die Symptome zu reagieren und zu fragen, wie kann der Mensch geschützt werden.

Diese Frage stellte sich auch Siegfried Patermann. Der ehemalige Chef der Flußmeisterstelle in Salz und Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Streu und Nebengewässer hat von Berufs- und Hobbywegen viel Erfahrung mit Wasser und meint, dass es in der Region noch reichlich Potential gibt, die Risiken von Überschwemmungen zu verringern.

Die Unterläufe schützen

Sein Credo: Hochwasserspitzen müssen schon in den Oberläufen der Flüsse in der Fläche aufgefangen werden, damit die Unterläufe geschützt werden. Dazu gebe es im Landkreis Rhön-Grabfeld noch zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten, zumal in der Vergangenheit auch Fehler im Hochwasserschutz gemacht worden seien. Bei einer Exkursion zeigt der Hohenrother Beispiele auf, wobei er immer wieder betont, dass er kein Fachmann auf dem Gebiet ist.

So soll zum Beispiel zwischen Ober- und Mittelstreu ein Damm überflüssig sein, da die Vorrichtung nur die dahinter liegenden Felder schützt. Durch die Wegnahme wäre die Fläche, auf der sich Wasser ausbreiten könnte, viel größer - ohne die Bebauung zu gefährden.

Siegfried Patermann sieht Mängel beim Zusammenfluss von Brend und Saale

Defizite gebe es aber auch schon noch weiter oben in den Quellgebieten der Rhön, wo es für Wildbäche mit ihrem starken Gefälle zu wenig Auffangflächen gibt. In Nordheim und in Ostheim halten außerdem nach Ansicht Patermanns die Schutzvorkehrungen nicht einem hundertjährigen Hochwasser stand.

Mängel sieht Patermann zudem beim Zusammenfluss von Brend und Saale. Ein Stück weiter in den Saalewiesen vor Salz ist seiner Ansicht nach der Uferbewuchs zu dicht und der Uferbereich zu hoch. Während unterhalb von Leutershausen und Hohenroth Auffangbecken ihre Funktion nicht richtig erfüllen.

Darüber hinaus müssten in der Fläche und in Wäldern Vorkehrungen getroffen werden, damit Niederschlag besser versickert und gar nicht erst in die Fließgewässer gelangt. In diesem Sinne müssten auch in bebauten Flächen Zisternen angelegt und gefördert werden.

Hochwasserschutz von Siedlungen im Fokus des Wasserwirtschaftsamts

Mit den Überlegungen Patermanns setzt sich der zuständige Abteilungsleiter Simon Engel vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen/Bad Neustadt auseinander. Er stellt fest, dass sich in den letzten Jahrzehnten überwiegend auf den Hochwasserschutz von Siedlungen an den größeren Gewässern - im Landkreis Rhön-Grabfeld sind das die Saale und Streu – konzentriert worden ist.

Die Hochwasserschutzanlagen wie etwa in Heustreu sind dabei einheitlich auf ein hundertjährliches Hochwasserereignis ausgelegt. Natürliche Rückhalteflächen und technische Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Deiche, Schutzwände und Hochwasserspeicher könnten zwar lokal Abhilfe schaffen, ein Restrisiko bleibe jedoch.

Zwei Kommunen erhielten Geld aus dem Sonderförderprogramm

Mit den Anlieger-Gemeinden an Saale und Streu hält das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen regelmäßig einen Hochwasserrisikomanagement-Dialog, fährt Engel fort. In diesen Gesprächen werden Ziele und Maßnahmen festgelegt, wie Hochwasserschäden – auch im Falle von Extremereignissen - zukünftig reduziert werden können. Der nächste Termin ist für Anfang Oktober vorgesehen.

In den vergangenen Jahren wurden allerdings vermehrt lokale Starkregenereignisse beobachtet, die zu Sturzfluten führen und zu Überflutungen von Bereichen, die auch fernab von Gewässern liegen. Im Herbst 2017 wurde deshalb in Bayern ein Sonderförderprogramm auf die Beine gestellt, das die Kommunen bei der Erstellung eines integralen Konzeptes zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement unterstützt. In Rhön-Grabfeld haben bisher zwei Kommunen einen Förderbescheid für solche Konzepte erhalten.

Dramatischer war dagegen die Situation im Jahr 2011, als Saal eingeschlossen war vom Wasser und es erhebliche Schäden gegeben hat. Foto: Eckhard Heise

Dezentrale Maßnahmen sind anzustreben

Zu den Anmerkungen von Patermann stimmt er zu, dass dezentrale Hochwasserschutzmaßnahmen grundsätzlich anzustreben sind. Bei größeren Flusshochwassern haben diese Maßnahmen allerdings kaum eine Auswirkung auf die Hochwasserspitze. Hier helfen nur technische Maßnahmen. Auch bei den technischen Maßnahmen sind Rückhaltemaßnahmen einem linienförmigen Schutz vorzuziehen. Wie groß diese Rückhaltebauwerke ausfallen ist am Beispiel des Rückhaltebeckens Burglauer zu sehen.

Die Kritik am Damm zwischen Ober-und Mittelstreu weist Engel zurück, weil die Anlage so konzipiert sei, dass sich bei einem größeren Ereignis das Wasser in die Fläche hinter dem Deich stauen soll. Der Vorteil dabei ist, dass die Entwässerung des eingedeichten Gebietes ohne Pumpen erfolgen kann.

Brendüberflutungen laut Wasserwirtschaftsamt kein großes Problem

Die Befürchtungen eines unzureichenden Hochwasserschutzes in Ostheim teilt Engel nicht. Ein Ingenieurbüro berechnet derzeit die Überschwemmungsgebiete an der Streu zwischen Fladungen und Stockheim. Bei den vorläufigen Ergebnissen zeigen sich am Hochwasserschutz Ostheim derzeit keine Probleme. Am Hochwasserschutz Nordheim scheint es ein bis zwei Schwachstellen zu geben, die allerdings relativ leicht zu beheben sein dürften. Aufgrund des Alters der Anlagen wird in den nächsten Jahren allerdings grundsätzlich deren Standsicherheit untersucht und Sanierungsmaßnahmen geplant werden müssen.

Die regelmäßigen Überflutungen an der Brendmündung betrachtet Engel als unproblematisch und nachteilige Auswirkungen durch den Uferbesuch in den Saalewiesen lassen sie derzeit nicht erkennen. Ebenso sei ihm nicht bekannt, dass die Bauwerke bei Hohenroth und Leutershausen ihre Funktion nicht erfüllen.

Zustimmung erhält Patermanns Forderung nach einer vorrangigen Versickerung von Niederschlagswasser. Auch das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen stellt fest, dass zum Beispiel bei kommunalen Bauleitplanungen das gesammelte Niederschlagswasser in den meisten Fällen vorrangig in die Bäche und Flüsse geleitet wird, da dies meist die wirtschaftlichere Methode ist. Nachhaltiger wäre auf jeden Fall die Versickerung.