Bad Neustadt

Handwerk: Warum der goldene Boden auch in Rhön-Grabfeld Risse hat

Mit Preissteigerungen bei Baumaterial wie Holz (Symbolbild), vor allem aber mit Personalmangel haben auch Handwerksbetriebe im Landkreis Rhön-Grabfeld zu kämpfen. Foto: Jan Woitas, dpa

In der jüngsten Vergangenheit ließen mehrfach Meldungen über Lieferengpässe in der Industrie aufhorchen. Doch auch im Handwerk soll es schon Probleme mit dem Nachschub geben. Eine Nachfrage bei verschiedenen Branchen ergab, dass wohl eher Personalmangel und Preissteigerungen die Betriebe belasten.

Einen guten Überblick, was die Materialbeschaffung angeht, hat die BayWa als einer der wichtigsten Lieferanten für Baumaterial. Markus Hör, Vertriebsleiter Nordbayern, winkt jedoch ab, Lieferprobleme und massive Preiserhöhungen gebe es vor allem im Holzbereich. Allenfalls bei Kunststoffrohren, etwa für Abwasserleitungen und bei Isoliermaterial, könne es zu Verzögerungen kommen. Das hänge damit zusammen, dass das für die Produktion notwendige Polyethylen bei der Herstellung von Kerosin anfällt. Wegen fehlender Nachfrage von Fluggesellschaften sei die Produktion jedoch gedrosselt worden.

Dem Installationsbetrieb Meukel fehlt Personal

Die Verknappung von Rohstoffen macht sich auch beim Installationsbetrieb Meukel bemerkbar. Insbesondere gehe es dabei um Produkte aus Kupfer, Messing und Zink, die teilweise um 50 Prozent teurer geworden seien, stellt Juniorchef Michael Meukel fest. Auch das Verpackungsmaterial werde immer kostspieliger, sodass im Monat die Preise zusammengerechnet durchschnittlich um sechs bis zehn Prozent steigen würden.

Doch bedenklich sei vielmehr das Fehlen an Nachwuchs, was die gesamte Branche trifft, bedauert der Bad Neustädter Handwerksmeister. Gewöhnlich beschäftige er drei Auszubildende, jetzt sei es noch einer. Darüber hinaus habe die Qualifikation der Schulabgänger deutlich nachgelassen, was sich doppelt bemerkbar mache, weil die fachlichen Anforderungen gestiegen seien. Insgesamt würde er gerne drei Mitarbeiter mehr beschäftigen, "aber ich finde keine". Die Pandemie habe der Betrieb bisher recht gut überstanden. Etwa zwei Drittel der Mitarbeiter seien schon einmal ausgefallen, weil sie in Quarantäne gehen mussten, aber ein positiver Fall sei noch nicht aufgetreten.

Auch an Arbeit herrsche kein Mangel – im Gegenteil, er müsse regelmäßig Aufträge ablehnen – schon wegen der fehlenden Mitarbeiter. Die Aussichten seien ebenfalls angesichts des derzeitigen Baubooms günstig. Darüber hinaus sorge die verstärkte Umstellung auf erneuerbare Energien für volle Auftragsbücher.

Frank Scheuplein beobachtet nur wenige Lieferengpässe

Frank Scheuplein vom gleichnamigen Bauunternehmen in Dürrnhof sieht ebenfalls gelassen in die Zukunft. Der Firmeninhaber profitiert ebenfalls vom aktuellen Bauboom, zumal Hochbau den Schwerpunkt des Betriebs darstellt. Lieferprobleme seien bisher nur in wenigen Einzelfällen aufgetreten, und dass die Preise auffällig anziehen, könne er nicht bestätigen.

Der Betrieb sei von der Pandemie ebenfalls weitgehend verschont, lediglich ein paar Fälle von Quarantäne seien aufgetreten. Einen Coronafall unter den Mitarbeitern  oder gar eine Situation, dass der gesamte Betrieb schließen musste, habe es noch nicht gegeben. Er habe auch nicht gehört, dass ein solches Ereignis bei anderen Betrieben in der Branche aufgetreten sei.

Malerbetrieb Fischer: Angebote sind nur schwer zu kalkulieren

Der Malerbetrieb Fischer in Unterwaldbehrungen tut sich schwer, Angebote zu schreiben, die längerfristig gültig sind. "Die Preise bei Baustoffen steigen derzeit gewaltig, sodass Angebote schwer zu kalkulieren sind", berichtet Stefanie Fischer. Lieferprobleme gebe es dagegen keine, und die Auftragslage sei gut, "wir sind bis Herbst ausgebucht".

Probleme gebe es lediglich mit Nachwuchs. Sie habe schon alle Register gezogen -  über soziale Medien, Werbung in den Schulen und Tageszeitungen, nichts habe gefruchtet, um Auszubildende anzuwerben. Zu ihrem Glück habe sie einen treuen und verlässlichen Stamm an Mitarbeitern, doch gern würde sie die Belegschaft noch etwas aufstocken.

Immerhin sei der Betrieb in Bezug auf die Pandemie bisher recht glimpflich davongekommen. Es habe zwar Fälle von Quarantäne gegeben, aber keine Ansteckung bei einem Mitarbeiter. Es werde auch großer Wert auf Schutzmaßnahmen gelegt und jetzt auch Tests angeboten, sodass sie insgesamt derzeit optimistisch in die Zukunft blicke.