Bad Neustadt

Corona zwingt zwei Bad Neustädter Lokale in die Knie

Die Unico Foodbar in der Otto-Hahn-Straße wird auch nach den Corona-Lockerungen nicht mehr ihre Türen öffnen.  Foto: Christian Hüther

Es war im vergangenen Jahr eine gute Nachricht für die Gastronomieszene in Bad Neustadt. Nach dem Ende der Kult-Kneipe "Café Wiener", in der Stadt aber eigentlich nur unter dem Spitznamen "Plonkl" bekannt, hauchte Geschäftsführer Francesco D'Agostino dem Gebäude in der Otto-Hahn-Straße Anfang 2019 wieder neues Leben ein und beseitigte damit einen Leerstand unweit der Innenstadt.

"Don't panic, stay at home, vorübergehend geschlossen", steht aktuell an der Unico-Tür. Sie wird für die Gäste jedoch gar nicht mehr öffnen, wie nun klar ist. Etwas mehr als ein Jahr nach der Eröffnung ist das Unico schon wieder Geschichte, wie ein frustrierter Francesco D'Agostino, der gemeinsam mit seiner Frau das italienische Restaurant "La Cucina Di Francesco" auf dem Marktplatz führt, auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigte. Die Corona-Krise mit der wochenlangen Zwangsschließung seit März hat die Foodbar, in der es neben selbst gemachtem Eis auch Steaks, Burger, frische Salate und italienische Spezialitäten gab, in die Knie gezwungen.

Aus dem "Brückenschoppen" wird vorerst nichts

Sein Personal sei bereits weg und habe sich anderweitig Arbeit gesucht, erklärte D'Agostino. Noch Anfang des Jahres habe er einen vierstelligen Betrag in das Unico gesteckt, insgesamt seien es seit der Eröffnung 250 000 Euro gewesen. Auch die Kulanz der Sparkasse zuletzt als Eigentümer konnte den Betrieb nicht mehr retten. Corona hat damit auch die Pläne, eine Art "Brückenschoppen" auf der noch neuen Fußgängerbrücke über der Brend zu etablieren, durchkreuzt. 

Das Unico mit Cocktails und Co. sei laut Francesco D'Agostino ein "Spaßlokal", das mit den derzeitig geltenden Corona-Regeln, beispielsweise einer Öffnung der Außengastronomie lediglich bis 20 Uhr, nicht wirklich funktioniere. "Die italienische Stärke ist schließlich das Ambiente", sagt er und gibt gleichzeitig zu, dass es insgesamt in Bad Neustadt schwer sei, ein Lokal abseits des Marktplatzes zu etablieren.

Auch die "Osteria del Gallo" gibt auf

Auch die "Osteria del Gallo" in der Spörleinstraße hat die Corona-Zwangspause nicht überstanden.  Foto: Christian Hüther

Ganz nahe des Marktplatzes, um die Ecke herum in der Spörleinstraße, hat mit Francesco Gallo, dem Cousin von Francesco D'Agostino, ein anderer Italiener stilecht bis zuletzt die Bad Neustädter mit "100% Italiano" in Form von Pizza, Pasta und Gelato kulinarisch verwöhnen wollen. Obwohl es nun mit entsprechendem Abstand vor der "Osteria del Gallo" möglich gewesen wäre, lässt Gallo seine Tische und Stühle in seinem Laden stehen - und das auch in Zukunft. Auch er gibt nach der wochenlangen Corona-Zwangspause auf. 

"Wir haben es nicht geschafft, nach der Lockerung wieder zu öffnen. Als junges Geschäft war es für uns zu viel", bestätigte Francesco Gallo die Gerüchte, die auch schon über den Marktplatz waberten. Er stellt jedoch in den Raum, seine Osteria in Zukunft an einer anderen Stelle möglicherweise wieder öffnen zu können. "Wir machen im Moment eine Pause, brauchen neue Kraft und hoffen, dass wir unsere Gäste bald wieder begrüßen und umarmen dürfen", so Gallo.

Wirsing bedauert die Schließung

Wolfgang Wirsing, der Verpächter der Osteria del Gallo, vielen noch als ehemaliges Stadtcafé bekannt, bedauert die Schließung. "Das ist schade, denn er hat sich viel Mühe gegeben", so Wirsing auf telefonische Nachfrage. Die Geschäftsaufgabe habe Gallo sehr mitgenommen, er habe sich absolut anständig verhalten und ihm die Entscheidung bereits vor einigen Wochen offen mitgeteilt. In der für alle schwierigen Situation wolle man sich gegenseitig helfen. Deswegen habe Wirsing auch nicht auf weitere Verpflichtungen aus dem Pachtverhältnis gepocht.

Denn auch Wolfgang Wirsing, der einige Objekte wie beispielsweise Diskotheken deutschlandweit angemietet hat, trifft die Corona-Krise. So bleibt unter anderem auch das Cuba Cabana, das seine Tochter Lisa-Marie führt, in der Industriestraße bis auf Weiteres geschlossen. Jetzt in Richtung Sommer spiele gerade der Außenbereich eine große Rolle. Der Aufwand, dann momentan nur bis 22 Uhr öffnen zu dürfen, sei deshalb auch unter Berücksichtigung der Personalkosten zu groß. Die Hoffnung bleibt, dass sich die Gastronomie wieder erholt, sagt er am Ende des Telefonats.

Und damit spricht er wohl vielen gebeutelten Kollegen derzeit aus der Seele.