Irmelshausen

Irmelshausen: Kirche klagt gegen Standort des 5 G-Masten

Das Betonfundament hinter der Absperrung muss zunächst noch aushärten, bevor dort dann ein G5 Funkmast der Telekom aufgestellt werden soll. Noch aber ist  nicht klar, wie das Verwaltungsgericht in der Sache entscheidet.  Foto: Michael Petzold

Die Entscheidung hat sich die evangelische Kirchengemeinde nicht einfach gemacht. Auch sie will juristische Schritte gegen den geplanten 5 G-Masten unweit des unter Denkmalschutz stehenden Kirchturms einleiten, aber erst abwarten, wie es mit der bereits erfolgten Klage der Interessengemeinschaft über den Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern  weitergeht. Der Verein hat dazu beim Verwaltungsgericht in Würzburg noch einen Eilantrag gestellt, über den noch nicht entschieden ist.

Letztendlich haben das eindeutige Ergebnis einer Umfrage und die Zusage von Spenden für Verfahrenskosten den Ausschlag für den Kirchenvorstand gegeben. "Wir sind beeindruckt, dass viele Menschen sich beteiligt haben", steht in dem Brief, den Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf und der Kirchenvorstand verfasst haben und der jetzt an alle Haushalte verteilt wird.

Klares Votum für das Ortsbild

Von den gut 400 Einwohnern von Irmelshausen hatten sich 130 Personen, also rund ein Drittel der Bevölkerung, an der Umfrage beteiligt. Bei der Frage, was als wichtiger empfunden wird,  die Mobilfunkversorgung oder die Erhaltung des Ortsbildes, entschieden sich 111 für  das Ortsbild.

100 Einwohner fanden es zudem sehr gut oder gut, wenn die Gemeinde gegen den Standort klagen würde, 94 sehen in dem geplanten Funkmasten eine massive Beeinträchtigung des Kirchturms. Dieser Standort war auch vom Landratsamt genehmigt worden. Die Regierung von Unterfranken beurteilte die Genehmigung aus denkmalschützerischen Gründen zunächst als rechtswidrig, gab später aber im Abwägungsprozess der Mobilfunkversorgung Vorrang und sah dann keinen Grund mehr die Zustimmung zu verweigern (wir berichteten).

Ein stummer Protest am Fundament des 5 G Mastes, der nahe dem unter Denkmalschutz stehenden Kirchturm errichtet werden soll.  Foto: Michael Petzold

Nicht ganz so deutlich fiel das Votum aus, als es grundsätzlich um die Frage ging, wie wichtig die Bereitstellung des Mobilfunkmastes gesehen wird. Und noch weniger klar positionierten sich die Umfrage-Teilnehmer bei der Frage, ob sie die Klage finanziell unterstützen würden. Hier entschieden sich 60 dafür, 39 waren dagegen und 31 waren sich unschlüssig.

Eine gewisse finanzielle Sicherheit war für den Kirchenvorstand, der angesichts des Meinungsbildes für eine Klage ist, von entscheidender Bedeutung. Nachdem aber bereits Zusagen in Höhe von 3000 Euro gemacht, weitere Spenden in Aussicht gestellt wurden und die Landeskirche zugesagt hat, jeden Spendeneuro bis 5000 Euro zu verdoppeln, geht der Kirchenvorstand davon aus, dass genügend Geld für eine Klage zusammenkommt.            

Kirchenvorstand bitte um Spenden für den Gang vor Gericht

Aus finanziellen Gründen hätte der Kirchenvorstand am liebsten mit dem Verein zusammen geklagt, aus verwaltungstechnischen Gründen sei es aber nicht möglich, denselben Anwalt zu nehmen. Der Vorstand und die Pfarrerin bitten nun bis Ende August um Spenden, um das Klageverfahren gegen den Standort aus denkmalschutzrechtlichen Gründen beginnen zu können. Denn eindeutig  mit Gewicht klageberechtigt vor Ort sei die Kirchengemeinde, heiß es in dem Schreiben. Wichtig ist es der Kirchengemeinde auch, deutlich zu machen, dass es nicht um eine Gegenposition zum Mobilfunk gehe,  sondern um die Ausmaße des Funkturms in der Nähe unserer neu renovierten Kirche und damit um das Ortsbild gehe. 

Erfreut zeigte sich Interessengemeinschaftsmitglied Manfred Röhner. "Ich finde gut, dass die Kirche jetzt auf diesem Weg ist." Bürgermeister Michael Heys Stellungnahme fiel neutraler aus. "Das ist ihr gutes Recht, wenn die Möglichkeit dazu besteht." Eine klare Meinung äußert Karl Graf von Stauffenberg. "Einen dämlicheren Standort hätte man gar nicht finden können", sagt er und weist darauf hin, dass er ein Grundstück auf einer Anhöhe zwischen Irmelshausen und Höchheim besitzt, das möglicherweise geeignet wäre. "Auf mich ist aber niemand zugekommen".