Bad Königshofen

Girls’ Day und dann? Wie fühlen sich Frauen in Männerberufen?

Wie ergeht es Frauen in Männerberufen? Vanessa Raab, hier beim Herstellen von Fensterumrandungen, hat ihre Entscheidung für den Beruf des Malers und Lackierers nicht bereut. Foto: Regina Vossenkaul

Der jährlich von Schulen in Kooperation mit verschiedenen Firmen veranstaltete Girls’ Day soll Mädchen für typische Männerberufe interessieren, allerdings musste er 2020 coronabedingt abgesagt werden, 2021 fand er überwiegend digital statt. Die Frage stellt sich, wie es den jungen Frauen ergeht, die dann wirklich einen typischen Männerberuf ergriffen haben. Am Beispiel von Vanessa Raab (21), die Maler und Lackierer, Fachrichtung Gestaltung und Instandhaltung gelernt hat, gingen wir der Frage nach.

Girls’ Day-Berufe sind solche, die überwiegend von Männern ergriffen werden, sie sollten auch für Frauen zugänglich gemacht werden, nicht zuletzt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, meinen die Unterstützer des Girls’ Days, das Bundesfamilienministerium und das Bundesbildungsministerium.

Aus der alten Rolle ausbrechen

Während in früheren Generationen die meisten Mädchen Verkäuferin, Krankenschwester, Sekretärin oder Lehrerin wurden, sollen ihnen heute auch sogenannte Männerberufe schmackhaft gemacht werden. Durch ein Praktikum können sie in den Beruf hineinschnuppern.

Girls’ Day-Berufe sind zum Beispiel Elektronikerin, Fachinformatikerin, Forstwirtin, Industriemechanikerin, IT-System-Kauffrau, Köchin, Landwirtin, Kfz-Mechatronikerin, Mikrotechnologin, technische Produktdesignerin, Schornsteinfegerin, Malerin und Lackiererin oder Tischlerin.

Schon in frühester Kindheit werden Berufe auf Geschlechter aufgeteilt, das spiegelt sich zum Beispiel in Kinderbüchern. Jungen sind "Bob der Baumeister", Erfinder und Abenteurer, Mädchen lieben Tiere, suchen ein Einhorn oder sind kleine Hexen. Dass sich ein Berufsbild auch ändern kann, zeigt eine Studie: 2024 wird die Anzahl der Ärztinnen die Anzahl der Ärzte überholt haben.

Ein Praktikum ist hilfreich

Vanessa Raab hat innerhalb der Praktika, die während der Realschulzeit absolviert wurden, verschiedene Berufe ausprobiert, sie war zum Beispiel im Zollamt in Schweinfurt und im Kindergarten. "Ich wollte etwas Handwerkliches machen, ein Bürojob wäre mir zu langweilig", sagte sie.

Auf der Jobmeile der Grabfeld-Allianz in Bad Königshofen wurde sie auf den Malerbetrieb Stefan Neuhöfer aufmerksam und absolvierte drei Praktika bei ihm. Dann stand für sie fest: Das ist was für mich. "Die Arbeit ist abwechslungsreich und kreativ, man erlernt unterschiedliche Techniken. Malerarbeit bedeutet nicht nur eine Wand anzustreichen", stellte sie fest.

"Der Anfang ist anstrengend, man muss Muskeln aufbauen und früh aufstehen, manchmal gibt es Überstunden. Es dauert einige Zeit, bis man sich dran gewöhnt hat und die Routine beginnt", berichtet Raab. Treffpunkt am Arbeitsplatz ist um 7 Uhr, eine halbe Stunde später beginnt das reguläre Arbeiten. Die Kollegen nehmen Rücksicht, wenn sie beim Gerüstaufbau oder beim Verputzen nicht so zupacken kann wie ein Mann.

Die Bezahlung angleichen

Ein gutes Betriebsklima bescheinigt Raab ihrer Firma, der Umgangston ändere sich ein wenig zum Besseren, wenn eine Frau anwesend ist, hat sie bemerkt. Nach Verbesserungsmöglichkeiten gefragt, wünscht sie sich eine höhere Ausbildungsvergütung für die Handwerksberufe, die hinter den Metallberufen deutlich zurückstehen. Sie selbst schaue nicht zuerst auf das Geld, Hauptsache der Beruf mache Spaß, sagt sie.

Vorarbeiter Lukas Müncheberg sieht den einzigen Unterschied in der Arbeit von Mann oder Frau in der Körperkraft. Er findet es in Ordnung, dass der Chef eine Frau eingestellt hat, noch mehr Frauen wären jedoch zu viel, ist seine Meinung.

Vanessa Raab ist seit einem Jahr Gesellin und meint, es sollten sich mehr Mädchen für einen handwerklichen oder einen typischen Männerberuf interessieren – vielleicht gefällt er ihr. Man könne sich auf der Jobmeile zum Beispiel über viele Berufe in der Nähe informieren.