Bad Königshofen

Das Wetter 2020 im Grabfeld: Wieder zu warm und wieder zu trocken

Hilmar Mauer betreut seit 30 Jahren die Klimastation im Bad Königshöfer Stadtteil Merkershausen. Zur technischen Ausstattung gehört auch dieser manuelle Niederschlagsmesser. Außerdem gibt es ein automatisch funktionierendes Messgerät (links). Foto: Alfred Kordwig

Auch wenn im vergangenen Jahr Wetterextreme wie Orkane oder Rekordtemperaturen ausblieben, hat sich doch erneut ein schon Besorgnis erregender Trend fortgesetzt: Aus den Daten von Wetterbeobachter Hilmar Mauer geht hervor, dass auch das Jahr 2020 wieder zu warm und zu trocken war. Seit 30 Jahren betreut Hilmar Mauer im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes nun schon die Klimastation im Bad Königshöfer Stadtteil Merkershausen. Für sein langes Engagement wurde ihm als Dank vor fünf Jahren die Wetterdienstplakette überreicht.

Nun hat er seine Bilanz über das Wettergeschehen im vergangenen Jahr fertiggestellt. Demnach lag die Jahresdurchschnittstemperatur mit 9,8 Grad Celsius um 0,8 Grad über dem langjährigen Mittel von 9 Grad. „In den letzten 30 Jahren waren nur sieben Jahre kälter und 21 Jahre wärmer als das langjährige Mittel“, stellt Mauer fest. „In dieser Zeit stieg das langjährige Mttel von 8,7 auf 9,2 Grad.“

Deutlich unter dem Schnitt

Auch die Jahresniederschlagsmenge lag einmal mehr deutlich unter dem Durchschnitt. Hilmar Mauer registrierte an seiner Klimastation 476,2 Millimeter, was 143,4 Millimeter weniger sind als das langjährige Mittel von 619,6 Millimeter. „In der gleichen Zeit waren elf Jahre feuchter und 19 Jahre trockener als das langjährige Mittel“, so Mauer, der eine ebenso einfache wie Besorgnis erregende Erklärung hat, was die Entwicklung bei den Temperaturne und den Niederschlägen betrifft: „Das sind ohne Zweifel Auswirkungen des Klimawandels.“

Kältester Ort Deutschlands

Seit Jahren schon zählt Bad Königshofen zu den trockensten Orten im Freistaat. Das hat sich auch 2020 wieder bestätigt. „Nur in Schwarzach am Main war es im vergangenen Jahr in Bayern noch trockener“, weiß der Merkershäuser Wetterbeobachter. Immerhin blieb das Grabfeld im vergangenen Jahr von extremen Temperaturen sowohl im Minus- als auch im Plusbereich verschont, selbst wenn es einen Rekord zu verzeichnen gab:  Am Morgen des 30. November registrierte Hilmar Mauer mit minus 9,4 Grad in zwei Meter Höhe die niedrigste Temperatur in ganz Deutschland.

Die Niederschläge 2020 im Vergleich zum Jahresmittel. Deutlich erkennbar: Im vergangenen Jahr fiel erneut zu wenig Regen und Schnee. Foto: Grafik Jutta Glöckner/Mainpost
Wichtiger Bestandteil der Merkershäuser Klimastation: Mit dieser Anlage misst Hilmar Mauer neben der Temperatur in zwei Meter Höhe auch die Luftfeuchtigkeit. Foto: Alfred Kordwig

Die niedrigste Temperatur an der Merkershäuser Klimastation überhaupt im vergangenen Jahr wurde am 1. April mit minus 11 Grad gemessen. Mit einer Durchschnittstemperatur von minus 5,6 Grad war der 2. Januar der kälteste Tag. Schnee war übrigens Mangelware im Jahr 2020: Eine dünne Schneedecke lag lediglich am 12. Und 28. Februar und in den Tagen vom 1. bis 4. Dezember.

Höchstwert von 35,8 Grad

Am wärmsten war es nach den Aufzeichnungen Mauers am 9. August mit 35,8 Grad. Mit einer Durchschnittstemperatur von 25,2 Grad war der 10. August der wärmste Tag des Jahres. Erfreulich ruhig bleib es im vergangenen Jahr an der Sturm- und Orkanfront: Nur vom 8. Bis 10. Februar sorgte das Sturmtief Sabine für starken Wind, der nur leichte Schäden verursachte.

Mit diesem Schneeausstecher misst Hilmar Mauer die Schneehöhe und den äquivalenten Wasseranteil. Foto: Alfred Kordwig

Zudem gab es nur wenige leichte Gewitter. „Unwetter waren im Jahr 2020 nicht zu verzeichnen“ – mit diesem Satz schließt Hilmar Mauer den Jahresbericht der Klimastation Bad Königshofen

Die Aufgaben des Deutschen Wetterdienstes

Die Wetterbeobachter des DWD haben viele Aufgaben. So melden sie im Winter zum Beispiel Informationen zu Schneeverhältnissen vor Ort nach Offenbach in die Zentrale des DWD. Die vor Ort gemessenen Daten und die Beobachtungen werden vom nationalen Wetterdienst dann für die Wettervorhersage oder Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Sie helfen aber auch, den Klimawandel in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können. Zu den Voraussetzungen für diese Tätigkeit gehören nicht nur Einsatzbereitschaft und die erforderliche Zeit, sondern auch ein geeignetes Grundstück, auf dem die Messgeräte des DWD gemäß internationalen Vereinbarungen und in ausreichendem Abstand zu Gebäuden und Bewuchs aufgestellt werden können.
(ak)