Bad Königshofen

Die Musik liegt Ernst Oestreicher im Blut

Immer wieder ist es das Klavier, das ihn fasziniert. Bei Konzertabenden begleitet Ernst Oestreicher seine Schülerinnen und Schüler. Foto: Hanns Friedrich

Am Sonntag, 8. März, gibt es in der Stadtpfarrkirche Bad Königshofen ein besonderes Konzert. Die Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen führt das Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn auf. Ein Werk, das vor genau 25 Jahren bereits schon einmal zu hören war. Grund, das Oratorium noch einmal im Rahmen der großen Kirchenkonzerte der Berufsfachschule für Musik aufzuführen, ist der Abschied von Schulleiter Professor Ernst Oestreicher zum Schuljahresende. Das zweistündige Werk gestalten unter der  Leitung ihres Chefs Lehrkräfte der Schule, ehemalige und aktive Schülerinnen und Schüler. Für den Schulleiter also ein besonderes musikalisches Geschenk.

In einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte Ernst Oestreicher, dass es ihm ein besonderes Anliegen sei, dieses Konzert mit seinen Kolleginnen und Kollegen sowie ehemaligen und aktuellen Schülern durchzuführen. Er erinnert an großartige Konzerte wie der " Messias" von Händel, die Requien von Brahms und Mozart, Konzertveranstaltungen in Griechenland und viele weitere. Oestreicher hat in den vergangenen 31 Jahren, zunächst seit 1982 am Gymnasium, dann ab März 1989 an der Berufsfachschule für Musik, wesentliche Impulse für das Musikleben in Bad Königshofen, im Landkreis Rhön-Grabfeld und darüber hinaus gesetzt. Nicht zuletzt wurde sein Engagement 2018 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewürdigt.

Grenzöffnung als Schlüsselerlebnis

Wenn sich der Schulleiter an die vergangenen Jahre erinnert, nennt er unter anderem seinen Vorgänger Gerhard Jenemann. Dieser hatte die Aufbauarbeit geleistet und Ernst Oestreicher gelang es, durch seine vielfältigen weiteren Tätigkeiten auf Bundesebene die Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen noch bekannter zu machen. Ein Schlüsselerlebnis nennt er die Grenzöffnung im Jahr 1989 und die Tatsache, dass damit auch Schülern aus den neuen Bundesländern die Möglichkeit gegeben wurde, die Berufsfachschule zu besuchen.

Ernst Oestreicher nannte im Gespräch seine Aktivitäten als Präsidiumsmitglied im Bayerischen Musikrat, als Mitglied des Beirats Deutscher Orchesterwettbewerb und als Vizepräsdient der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände. Er war über viele Jahrzehnte Bundesdirigent im Nordbayerischen Musikbund und hat hier "seine Schule" ebenfalls positioniert. Er erinnert an die Ausbildung der Kirchenmusiker, die auf Orgeln in den Kirchen der Stadt "Schul- und Übungsstunden" hatten, bevor der Orgelsaal entstand und vor 20 Jahren die Orgel der Firma Hey aus Urspringen eingebaut werden konnte.

Familiäre Atmosphäre in der Schule

Viele weitere Anschaffungen kamen hinzu, die über den Schulträger, den Landkreis Rhön-Grabfeld, und durch die umfangreiche Unterstützung durch den Bezirk Unterfranken im Rahmen der Unterfränkischen Kulturstiftung möglich wurden. Was die Einrichtung in Bad Königshofen auszeichnet, ist die familiäre Atmosphäre. Dies wird vor allem bei den Absolventen eines jeden Jahres immer wieder deutlich. Das führte auch dazu, dass Schülerinnen und Schüler, obwohl sie oftmals an weit entfernten Orten in Deutschland sind, immer wieder gerne nach Bad Königshofen kommen. "Wenn Ernst uns braucht, kommen wird doch gerne in unsere Schulstadt Bad Königshofen."

Dass die Ausbildung an der Berufsfachschule für Musik auf höchstem Niveau ist, zeigen Anstellungen "seiner Schüler". Ernst Oestreicher nennt als Beispiele den Trompeter Johannes Mauer aus Alsleben, Solotrompeter im Stadttheater in Würzburg, Kathrin Denner aus Münnerstadt, mittlerweile eine bekannte Komponistin, Felix Heitmann aus Aidhausen an der Chorakademie in Dortmund und mit Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in Detmold und eine Vielzahl von Absolventinnen und Absolventen, die jetzt an der Musikschule des Landkreises beschäftigt sind.

Klavier als Lieblingsinstrument

Fragt man Ernst Oestreicher nach seinem Lieblingsinstrument erwähnt er das Klavier, sagt aber auch, dass er früher einmal Trompete gespielt und hier sogar ein Diplom erworben hat. Vor allem liegt ihm aber die Chor- und Ensembleleitung am Herzen. "Und da benötige ich ja das Klavier." Die Unterstützung der örtlichen Vereine in der Leitung der Chöre und Musikkapellen waren ihm immer sehr wichtig. "Die Schule hat sich in der Region als Kristallisationspunkt im Bereich Laienmusik positioniert." Der Schulleiter verweist auf die "Junge Philharmonie Rhön-Grabfeld" oder auch auf den "Salzburg-Klassiker".

Wichtig waren ihm stets die Europatage der Musik, die 1989 auf Initiative der  Berufsfachschule für Musik im Landkreis entstanden sind und bis heute weitergeführt werden, ebenso wie die Festivalreihe Saale-Musicum, Oestreicher war da neben Hermann Grollmann einer der Mitinitiatoren.

Ein Bild aus den 1980er Jahren, als Ernst Oestreicher die Leitung der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen übernahm. Foto: Hanns Friedrich

Wie sieht sein Ruhestand aus? Ernst Oestreicher wird weiterhin an der Hochschule für Musik in Würzburg als Leiter des Masterstudiengangs Blasorchesterleitung tätig sein.  Er wird weiterhin seine ehrenamtlichen Tätigkeiten im Deutschen und Bayerischen Musikrat sowie bei der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände und im Vorstand der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg ausführen.  "Und wenn man mich braucht, werde ich auch gerne noch das eine oder andere Konzertprojekt als Gastdirigent dirigieren." Ansonsten wird er sich seinem Garten und dem Reisen widmen, aber auch schriftstellerisch im Musikbereich tätig sein. "Langweilig wird es mir sicherlich nicht", so der Schulleiter.