BAD NEUSTADT

Auftakt nach Maß

Eine mitreißende Performance lieferten die Jungs von „Viva Voce“ ab, die den Auftakt für die Donnerstagskonzerte bildeten. Foto: Eckhard Heise

Knapp ein Jahr musste Bad Neustadt warten, doch am Donnerstag war es nun wieder so weit: Die Marktplatzkonzerte haben begonnen. Und es scheint, als ob die Menschen nach dem Ereignis regelrecht gefiebert haben, denn das Herz der Innenstadt war krachend gefüllt. „So einen Auftakt habe ich noch nicht erlebt“, stellt Organisator Kai Uwe Tapken gleich zu Beginn des Konzerts strahlend fest. Das mag aber auch an den Akteuren auf der Bühne gelegen haben, denn mit „Viva Voce“ war gleich ein Act der Extraklasse angesagt.

Eine A-Cappella-Combo mit kirchlichem Hintergrund – konnte das als Einstieg für die Donnerstagskonzerte gut gehen? Es ging nicht nur gut, sondern die fünf Jungs aus Ansbach hatten anscheinend auch ihre Fans mobilisiert, denn auf die Frage eines der Sänger, wer das Ensemble schon einmal gehört habe, hob etwa die Hälfte der Zuhörer die Hand. Das ist auch nicht verwunderlich, da das Quintett nicht nur von zahlreichen Kirchentagen bekannt, sondern auch durch diverse Fernsehauftritte präsent ist.



Das haben die Fünf aber nicht ihrem Aussehen zu verdanken, wie andere Boy-Groups, die durchgestylt und mit schmachtenden Songs die Herzen vor allem junger Fans betören. Nein, das ist vor allem die Folge ihrer Kunst. Denn das was sie drauf haben, liegt deutlich über dem Niveau deutscher Unterhaltsmusik.

Wo kommen denn Bassgitarre, Schlagzeug, Vibrafon und Posaune her? An den Mundbewegungen, die gar nicht zum Text passen, ist es zu erkennen: Alle „Instrumente“ sind selbst gemacht und ergänzen den Gesang der anderen Mitglieder. Die mehrstimmigen Lieder sind kunstvoll verschachtelt und ergeben als Ganzes ein komplettes Klangbild. Die Stimmlagen von Tenor, Bariton und Bass erzeugen außerdem einen Klangkörper mit dem Vermögen zu raffinierten Interpretationen und einem außergewöhnlichem Klangspektrum.

Das Repertoire ist dagegen nicht außergewöhnlich. Schlager, Schnulzen, HipHop, Hits aus Pop und Rock und hie und da eigene Kreationen mit Neigung zum Chanson. Vielmehr fasziniert die authentische Präsentation. Die Performance, die häufig eine Parodie auf die gängigen Muster der Bühnenshows darstellt, ist nicht perfekt und gerade darum sympathisch.

„Die Jungs können Stimmung machen“, sagt eine Frau, die ständig mit dem Handy filmt und offensichtlich in der Veranstaltungsbranche tätig ist. Sie kenne die Fünf bisher überhaupt nicht, wolle nun aber versuchen, das Ensemble für einen Auftritt zu engagieren, „aber bei dem Terminkalender wird das schwierig“.

Ihr Urteil über die Mittelfranken spiegelt sich im Publikum wieder. Statt wie bei den Donnerstagsgesprächen üblich in Bierglas oder Gespräch mit dem Nachbarn vertieft, wenden sich die Zuhörer den Protagonisten auf der Bühne zu, singen -–nicht etwa grölen – und klatschen mit, stellen sich zuletzt zu Ovationen auf die Bänke und fordern eine Zugabe nach der anderen.

„So was hab ich noch nicht erlebt“, sagt erstaunt ein Besucher. Selbst die vielen Zuhörer, die keinen Sitzplatz bekamen und zwei Stunden dicht gedrängt am Marktplatzrand stehen, halten wie das gute Wetter bis zur letzten Minute aus – einen besseren Auftakt hätte sich Tapken tatsächlich nicht wünschen können. So kann der Organisator getrost auf das Konzert am nächsten Donnerstag blicken. Dann kommen „Napoli Latina“ mit Italo Pop zum Zuge.

So voll soll es nach Ansicht von Organisator Kai-Uwe Tapken beim ersten Konzert der Veranstaltungsreihe noch nie gewesen sein. Foto: Eckhard Heise