MELLRICHSTADT

Mit Heimvorteil rettet's sich gut

Die Sieger des Schulwettbewerbs mit ihren Betreuerinnen und Betreuern sowie Realschuldirektor Ulrich Kluge und Schulsani... Foto: Peter Federlein

Maximal 20 Punkte pro Sektion waren erreichbar. Schülerinnen und Schüler aus 13 unterfränkischen Schulen hatten sich am Freitag beim zehnten Wettbewerb im Schulsanitätsdienst in der Oskar-Herbig-Halle beteiligt. Aus Lohr, Bad Kissingen, Eltmann, Höchberg, Bessenbach, Ochsenfurt, Arnstein, Bad Brückenau, Volkach, Bad Königshofen, Hammelburg und Marktheidenfeld waren Schulsanitäter gekommen, um sich den nicht so einfachen Aufgaben zu stellen. In zehn Sektionen wurde Wissen abgefragt, Know-How bei praktischen Übungen bewertet und weil es natürlich auch Spaß machen sollte, durfte die Gaudi auf dem Hindernis-Parcours bei den „Blindekuh-Sanitätern“ und beim Decken-Weitwurf nicht zu kurz kommen.

Zwei Rhön-Grabfelder Schulen auf dem Treppchen

Als praktische Übungen wurden Verletzungen wie Schnittwunden oder gar Fingeramputationen behandelt und bewertet. Bei Herzdruckmassagen und Hilfeleistungen nach einem Sturz auf der Treppe entgingen den strengen Schiedsrichtern vom Roten Kreuz keine Fehler. Auch mit theoretischem Wissen sowie Antworten bei einem Quiz konnten die Schulsanitäter punkten.

Die optimale Vorbereitung von Schulsanitätsleiter Ralf Bötsch, möglicherweise auch die gewohnte, sich als Heimvorteil auswirkende Umgebung, verhalfen den Schulsanitätern der Mellrichstädter Ignaz-Reder-Realschule, die als Gastgeber auftraten, zu einem hohen Sieg. 185 Punkte sammelten die Mellrichstädter, gefolgt von der Realschule Hammelburg, die 171,5 Punkte auf den Ergebnisbogen brachte. Dritte wurden wieder Schulsanitäter aus Rhön-Grabfeld: 169,5 Punkte – gerade mal zwei Punkte weniger als die Zweiten – konnten die Schülerinnen und Schüler der Realschule Bad Königshofen vorweisen.

Für Landesentscheid qualifiziert

Heinrich Eckl, Ministerialbeauftragter für Realschulen in Unterfranken, war beeindruckt von der Dienstbereitschaft und dem Können der Schulsanitäter, die damit eine wichtige Aufgabe übernähmen. Gerd Schäfer, Fachmitarbeiter für Erste Hilfe beim Ministerialbeauftragten, dankte den Organisatoren der Mellrichstädter Ignaz-Reder-Realschule für die Ausrichtung. Dankesworte richtete Schäfer, der die Siergerehrungen vornahm, auch an die Damen und Herren vom Roten Kreuz, die für die Bewertungen an den Sektionen zuständig waren. Schäfer wies noch auf den Landeswettbewerb hin, für den sich die beiden Erstplatzierten qualifiziert haben und der vom 14. bis 16. Juli in Altötting stattfinden wird.

Überlebenschance erhöhen ist leichter als gedacht

Gleichzeitig fand im Chemiesaal der Realschule eine Lehrerfortbildung zum Thema Erste Hilfe statt. Privatdozent Dr. med. Michael Dinkel, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin an der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt informierte unter anderem über die wiederbelebenden Maßnahmen bei der Herzdruck-Massage.

Dr. Dinkel, der in seiner Funktion als Landesvorsitzender im Bundesverband deutscher Anästhesisten in Bayern diese Fortbildung hielt, stellte die Kampagne „Leben retten“, mit dem Untertitel „Prüfen – Rufen – Drücken“ vor. Die Reanimation durch Laien sei in Deutschland leider sehr gering ausgeprägt. Dinkel erachtet sie jedoch als überaus wichtig. Ein Herzstillstand – eine lebensbedrohliche Situation, in der schnelle Hilfe wichtig ist – könne jeden treffen. Menschen, die einen Herzstillstand erleiden, sind auf sofortige Hilfe angewiesen. Für sie zählt jede Sekunde. Die Überlebenschancen zu erhöhen sei viel leichter als gedacht: Wenn ein bewusstloser Mensch, nicht auf Ansprache reagiert, nicht normal oder gar nicht mehr atmet, ist sein Leben akut in Gefahr.

Unter der bundesweiten und gebührenfreien Notrufnummer Tel. 112 gibt es schnelle und professionelle Unterstützung. Damit jedoch bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes keine wertvolle Zeit verloren geht, sollte sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen werden, um den lebenswichtigen Blutkreislauf zu erhalten. Dabei könne man nur eines falsch machen: wegschauen und nichts unternehmen. Dinkel wies darauf hin dass unter www.einlebenretten.de für alle, die ihre Kenntnisse zum Thema Wiederbelebung auffrischen wollen, ein Film, eine Kurzanleitung und ein Flyer zum Download bereit stehen.

Der stv. Landrat Peter Suckfüll, der stv. BRK-Kreisgeschäftsführer Ralf Baumeister sowie Christian Benk (stehend v. li.) beobachteten fasziniert, wie Andrea Friedrich-Rückert realistische Verletzungen drapierte. Foto: Peter Federlein
Praxis-Prüfung: Erste Hilfe nach Sturz im Treppenhaus. Foto: Peter Federlein