WILLMARS

„Durch das Kreuz zum Licht“

Pfarrer Michael Hofmann (Mitte) bedankte sich am Ende bei allen mitwirkenden Künstlern und Besuchern des Abends. Foto: Gerhard Kupfer

Besondere und vielfältige musikalische Leckerbissen bot die evangelische Kirchengemeinde Willmars mit dem Passionskonzert in Form eines Vespergottesdienstes, zu dem sie am Vorabend des vierten Fastensonntags „Lätare“ am vergangenen Samstag in die Willmarser Kirche einlud. „Der Termin war bewusst gewählt“, so Organist Alexander Neugebauer, federführend bei der Organisation des Abends, weil mit Lätare die Hälfte der Passionszeit schon überschritten sei und es fröhlich auf Ostern zugehe. „Laetare“ heißt wörtlich übersetzt: „Du wirst erfreut.“ Zum Freuen hatten die Besucher wirklich allen Grund.

Der Willmarser Neugebauer, spielt erst seit gut fünf Jahren Orgel, hat auf dem Instrument aber sein Abitur in Mellrichstadt abgelegt und studiert mittlerweile im dritten Semester an der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth. Von dort will er neue Impulse für die kirchenmusikalische Arbeit vor Ort einbringen. So sei auch die Idee zu diesem Abend entstanden. Alle Elemente des Abends sollten die Grundbotschaft unterstreichen, dass die Passion Jesu ihn freiwillig ans Kreuz und damit die Menschen zum Leben geführt habe. Besonders gelungen war die Illumination der Kirche. Auf dem Altar stand ein Lebensbaum in Form eines Kreuzes, in dessen Zentrum ein blauviolettes Lichtkreuz platziert war, das die Rückseite des Chorraums in die Farben der Passionszeit tauchte. Der Altar war flankiert von floristischen Arrangements.

Der Gospelchor „Rainbow“ aus Sondheim/Rhön unter der Leitung von Marijana Menz eröffnete mit dem Stück „Come all who thirst“ von Gwyn Arch. Es gelang den Sängern, getragen und in klanglicher Balance, zum Ruhigwerden und Nachdenken hinzuführen, bevor Pfarrer Michael Hofmann die Besucher begrüßte. Danach war mit „Meine Zeit liegt in deinen Händen“ von Peter Strauch wieder der Gospelchor zu hören. Einfühlsam und doch eindrücklich vorgetragen, ließ er mit diesem Choral, die Zuhörer die Zusage der Geborgenheit in Gott spüren.

Nach einem Gebet war Alexander Neugebauer an der Orgel zu hören. Zunächst mit dem Präludium und Fuge in g-Moll von Nicolaus Bruhns, wobei der Organist sein technisches, kreatives und interpretatives Können zeigen konnte. Das Präludium klang mächtig und erhaben, aber auch künstlerisch und filigran. Die Fuge hingegen kennzeichnete ein eher tänzerisch leichtes Motiv, welches stark ausgeweitet wurde und in einem fulminanten Schluss endete.

„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ gehört zu den anspruchsvolleren Stücken aus dem „Orgelbüchlein“ von J. S. Bach. Der Text bündelt die Hoffnung, die in der gesamten Musik Bachs ausgestrahlt wird: „Wer auf den allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ Nach einer Biblischen Lesung von Pfarrer Hofmann, brachte der Kirchenchor Filke/Willmars unter der Leitung von Heike Dankert das Stück „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ (aus dem Oratorium „Elias“) von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu Gehör. Dieser Chorchoral ist nur eines von vielen Beispielen für das monumentale Schaffen Bartholdys. In der Interpretation vereinte sich eindrücklich und bewegend Poesie und Gesang.

Beim anschließenden Choral aus dem Gesangbuch „Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha“ (Satz: Ekkehart Nickel) wurde der Chor vom Blockflötenensemble des Nicolhauses begleitet. Das Stück spiegelt den Bund zwischen Menschen und Gott durch den Gang Jesu ans Kreuz wieder.

Bevor Neugebauer an der Orgel im Zusammenspiel mit Klarinettistin Caroline Ballweg das Stück „Elévation“ von Leon Böéllmann aus dessen Heurés Mystiqués (auch Stück der Wandlung genannt) darbot, las Pfarrer Hofmann einen Text aus der Passionsgeschichte. Böéllmanns Stück ist im Original für die Orgel allein, wurde an diesem Abend aber als Bearbeitung für Klarinette und Orgel vorgetragen. Caroline Ballweg, wie Neugebauer geprüfte C-Kirchenmusikerin, spielte das Stück wohl temperiert und mit Hingabe. Die wunderschöne Melodie soll die Wandlung Christi verdeutlichen.

Bei der anschließenden Arie „Buß- und Reu“ aus der Matthäuspassion von Bach wurde Neugebauer von der Pianistin Jenny Rachmetow am Klavier begleitet. Einfühlsam und mit großem Stimmumfang trug der Organist auch die Arie „O Jesu, nomen dulce“ aus den kleinen geistlichen Kantaten von Heinrich Schütz vor, wieder begleitet von Jenny Rachmetow. Die Arie ist kunstvoll ausgelegt und bietet trotz lateinischen Textes ein gänsehauterregendes Gefühl. Man spürt die Leidenschaft und Sehnsucht der Menschen nach der Barmherzigkeit Christi.

In der folgenden Predigt lenkte Pfarrer Hofmann den Blick auf den menschlichen Umgang mit Wut und Ohnmacht, auf Gottes Mitleiden und Jesu Annahme seines Weges in Demut als Beispiel für uns. Ein weiterer musikalischer Leckerbissen war der Vortrag von Daniela Wagner an der Posaune, Franziska Bohn mit der Trompete und Alexander Neugebauer an der Orgel. Zunächst war die „Sarabande I“ von Georg Friedrich Händel in einer Bearbeitung von J. Naulais zu hören.

Die weltbekannte Melodie bot ein ruhiges und schönes Sinnen. Händel schrieb diese Sarabande als einer von vielen Tänzen einer Suite. Die Choralbearbeitung „Jesu bleibet meine Freude“, die schließlich für Posaune und Orgel arrangiert zu hören war, konnte genauso überzeugen, wie der folgende „Marsch“ von Leopold Mozart. Er war in der Bearbeitung für Trompete und Posaune zu hören und wurde von Daniela Wagner und Franziska Bohn in herausragender Art und Weise vorgetragen.

Weiter ging der Abend mit zwei Orgelmeditationen zu „Wir danken dir Herr Jesu Christ“ von Thomas Riegler, Kantor des Dekanats Bad Neustadt. Mit der abschließenden Choralbearbeitung „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Max Reger zeigte Neugebauer ein weiteres Mal an diesem Abend sein Können an der Orgel. Nach dem Fürbittengebet war noch einmal der Gospelchor „Rainbow“ mit dem Stück „I‘ve got peace like a river“ von Henry O. Millsby zu hören. Er hat damit einen hoffnungsvollen und beschwingten Eindruck bei den Zuhörern hinterlassen und Mut gemacht für die restlichen Wochen der Passionszeit.

So stimmte die ganze Gemeinde in das Abendlied „Bleib bei mir Herr, der Abend bricht herein“ mit ein. Nach Sendung und Segen durch Pfarrer Hofmann bat Alexander Neugebauer alle beteiligten Künstler nach vorne und bedankte sich herzlich für das Mitwirken und bei den Besuchern für das Interesse und die Offenheit, sich auf Neues einzulassen. Lang anhaltender Applaus gab der Hoffnung Ausdruck, dass bald wieder mit einem solchen kirchenmusikalischen Höhepunkt in der Region zu rechnen sein möge.

Der Kirchenchor Filke/Willmars unter der Leitung von Heike Dankert trug mit seinem Gesang zur festlichen Stimmung beim musikalischen Vespergottesdienst bei. Gelungen war auch die Illumination, die den Chorraum in die Farben der Passionszeit tauchte. Foto: Gerhard Kupfer
Alexander Neugebauer, Organisator des Konzertabends, ist nicht nur ein hervorragender Organist, sondern begeisterte auch als Sänger mit der Arie „Buß und Reu“. Foto: Gerhard Kupfer